Prix_netzhdk_titel

netzhdk vergibt jedes Jahr an einen Bachelor- oder Master-Alumni der ZHdK einen mit 10'000.– Franken dotierten Förderpreis.

Ausgezeichnet wird eine Person oder eine Gruppierung, deren Schaffen durch besondere Eigenständigkeit, Innovationskraft und fachliche Qualität auffällt. Die Nominationen erfolgen jeweils durch die Studiengangs- und Vertiefungsleitungen der ZHdK.

Wir haben allen Nominierten sieben Fragen zu ihrem Schaffen, ihrer Studienzeit und ihren Zukunftsplänen gestellt. Die Antworten können hier gelesen werden.

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Yves Theiler
MA Musikpädagogik Jazz
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An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Yves Theiler Trio (mein eigenes Klaviertrio)

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Spannende Frage! Super. Nun, ich glaube das ist eine Frage die man nur in Beachtung vieler Facetten wirklich ausreichend beantworten kann. Ganz grundsätzlich glaube ich aber bedeutet Qualität in jeder Kunstdisziplin, das sagen zu können was man sagen möchte. In musikalischen Worten: die Fähigkeit haben das zum klingen zu bringen was man sich vorstellt. Vorausgesetzt man kann sich überhaupt etwas vorstellen! Das ist aber auch wiederum die Basis um es überhaupt zu wagen öffentlich zu singen, ein Instrument zu spielen oder zu komponieren.

Wenn mit voller Hingabe, allen Sinnen und einem offenen Geist kreiert wird, so entsteht meistens qualitativ hochwertige Kunst. Was natürlich nie Voraussetzt, dass der Betrachter einer Kreation diese auch versteht - weder intellektuell noch intuitiv. Spiritualität ist nun mal in unglaublich verschiedenen Formen erlebbar, doch genau das spirituelle Element ist es, welches in den verschiedensten Formen in gelungener Kunst erlebbar ist.

Allerdings geht diese Frage sehr weit und ich muss zugeben dass mir das Wort «Qualität» nicht gefällt in diesem Zusammenhang. Es steht für mich nicht im Feld der Wörter wo «Kunst» und «Spiritus» stehen.

Wenn Qualität neutral gemeint ist, dann kann man den Gebrauch des Wortes durchaus in diesem Zusammenhang sehen, aber wertend wird es erstaunlich schwierig. Es soll mal einer sagen was gut ist und was nicht, ohne einen strengen Rahmen zu setzen, welcher das definiert!

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Hahaha, großartig. Es kommt immer drauf an, in welcher Situation ich mich befinde. Das Leben zwingt einem leider oft zu Notlügen. In unserer neo-konservativen Gesellschaft ist es zum Beispiel besser wenn man bei der Wohnungssuche nicht unbedingt von Musikern spricht sondern besser von Lehrer oder so was in der Richtung. Aber bei Ärzten schreibe ich gerne Musiker!

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Uff... eigentlich to many to say. Aber die Klavierstunden in Zweisamkeit mit Chris Wiesendanger waren schon eine sehr gute Zeit. Man schwebte in Wolken von gemeinsamen Interessen, ein Forschen in Territorien der Musik, losgelöst von der harten Wirklichkeit ausserhalb der Zürcher Waldmannstrasse 12. Eine Arbeitsphase die ich durchaus immer wieder sehr vermisse und von der ich gleichzeitig immer wieder zehren kann. Damals habe ich gelernt wie man alles rundherum ausblenden und sich wie in einer Glocke auf die Arbeit an der Musik fokussieren kann.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Der Unterschied von Musizieren auf der Bühne versus Studioaufnahme beziehungsweise CD-Produktion.

Musik wirkt, vor allem je nach Art der Musik, so unglaublich anders auf einer Platte als in einer Live-Performance.

Das braucht Kilometer an Erfahrung, man merkt erst nach einer Weile wie viel konkreter die Musik teilweise sein muss im Falle einer Aufnahme. Eine CD ist und bleibt ein Kunstprodukt. Man kann überrascht werden wie anders eine gespielte Idee auf einer Aufnahme wirken kann. Es ist auch interessant wie sehr die auch noch so komplexe Musik einfach klingen muss, damit sie vor allem auf einer Aufnahme Sinn macht. Es muss alles mit einer Selbstverständlichkeit gespielt sein.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Das sind unzählige Menschen die mich sehr inspirieren. Menschen, die es auf natürliche Weise schaffen mit irgendeinem Medium in irgendeiner Kunstform die Welt zum stillstehen zu bringen. Es würde mein Herz brechen hier den einen oder anderen zu vergessen! Speziell gut könnte ich es natürlich über die Leute sagen die ich selber kenne.

Was mich immer wieder sehr fasziniert sind Fotographien wie zum Bsp. die des Photographen Christopher Anderson.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Das ist jetzt sehr allgemein gesagt...: anhand meiner Musik noch konkreter aussagen zu können, was ich fühle und mir vorstelle. In anderen Worten: in meiner eigenen musikalischen Sprache forschen.

Aber konkret gesagt, treibe ich in naher Zukunft vor allem mein Klaviertrio voran im Hinblick auf eine zweite CD.
Und auch das Solospiel steht ganz oben auf der Liste.
Im Zusammenhang von eigens injizierten Projekten steht aber auch etwas Aussermusikalisches: den Scharfsinn dafür zu entwickeln, mit wem man welche Projekte machen kann, und bei wem man sich besser in Distanz übt. Eine der schwierigsten Fragen überhaupt.