Konservatorium und Musikhochschule Zürich

1876 wurde auf Anregung von Friedrich Hegar das Konservatorium Zürich (damals Musikschule Zürich) als private Stiftung gegründet. Gründer waren die Allgemeine Musikgesellschaft, der Gemischte Chor Zürich, der Sängerverein Harmonie, der Männerchor Zürich, die Tonhalle-Gesellschaft, die Zürcher Liederbuchanstalt und die Theateractiengesellschaft. Im Wesentlichen sind diese auch heute noch Träger der Stiftung. Die Institution befand sich im «Haus zum Napf» in der Altstadt, nahe beim Grossmünster.

Zwischen 1899 und 1900 wurde das noch heute als Konservatorium bekannte, prächtige Gebäude an der Florhofgasse durch die Architekturfirma Kehrer und Knell erbaut. Zur Einweihung des Gebäudes sagte Präsident Rudolf Escher: «[…] der Zweck der Musikschule ist es, der Jugend einen gediegenen musikalischen Unterricht gegen verhältnismässig geringe Opfer zu bieten […]»

Von Anfang an bestanden zwei Abteilungen: die Dilettantenschule, ab 1929 Allgemeine Musikschule, und die Künstlerschule, die 1921 den Namen Berufsschule erhielt. Beide waren in eine pädagogische und eine Konzertabteilung gegliedert. Das Konservatorium pflegte den Gruppenunterricht mit Klassen von drei bis vier Schülern, um die Kosten erschwinglich zu halten beziehungsweise die Lehrer angemessen zu entlohnen zu können. Der Klassenunterricht dauerte für Anfänger drei und für Fortgeschrittene zwei Stunden pro Woche. Zudem bot die Dilettantenschule das Fach Chorgesang und theoretischen Unterricht von einer Stunde an. Ab 16 Jahren hatten die Schüler die Vorlesung Ästhetik und Geschichte der Musik zu besuchen. Der sogenannte Theorieunterricht bestand in allgemeiner Musiklehre, die unter dem Titel Chorgesang vermittelt wurde, während den Absolventen der Künstlerschule auch Harmonielehre, Kontrapunkt und Fuge (cours de contrepoint et fugue) von Luigi Cherubini vermittelt wurden. Es wird berichtet, dass die Schüler aufgefordert waren, selber zu komponieren, und so gab es in der Karwoche Konzerte in der Tonhalle und in den beiden Münsterkirchen.

Die Künstlerschüler erhielten Unterricht im Zusammenspiel und wurden ermuntert, das Partiturspiel zu pflegen und die Kunst des Dirigierens zu erlernen. Man sang Solfeggien von Corcone und Bertalotti, übte rhythmische und Treffübungen nach Wüllner, und 1919 wurde das Musikdiktat eingeführt, das Direktor Hegar persönlich unterrichtete. Im Lauf der Jahre wurden die Lehrpläne angepasst, aber grundsätzlich gab es zwischen 1930 und 1973 wenig Veränderungen. Der theoretische Unterricht basierte auf Bach, Mozart und Beethoven, aber es wurde auch zeitgenössische Musik von Othmar Schoeck und Arthur Honegger gespielt. Der Organist Johannes Luz und Ernst Isler, Orgellehrer von 1906 bis 1942, waren zwei sehr engagierte Vermittler zeitgenössischer Musik. Ab 1951 war es dann Wladimir Vogel, der einen Einführungskurs in die Zwölftonmusik und eine Vorlesung über «die Problematik der neuen Musik» initiierte.

In Zürich wurden auch an einem zweiten Institut, der Musikakademie (gegründet 1900 als Akademie der Tonkunst), Berufsmusiker ausgebildet. Bis weit in die Nachkriegszeit bestand zwischen den beiden Institutionen, die beide staatlich anerkannte Diplome vergaben, eine gewisse Konkurrenz. In verschiedenen Volksabstimmungen wurde die Fusion der beiden Schulen abgelehnt, aber nachdem über Jahre eine immer engere Zusammenarbeit gepflegt worden war, konnte die Fusion 1991 doch noch über die Bühne gehen.

1987 konnte das Gebäude des Konservatoriums nach einer intensiver Renovierungsphase wiedereröffnet werden. Dies wurde mit einem grossen Fest gefeiert und unterschiedliche Komponisten, die der Bewegung der Neuen Musik angehörten, waren aufgefordert, Musik für die Eröffnung zu komponieren. So entstand eine grosse Zahl neuer Werke, unter anderen von Gerald Bennet, Daniel Fueter, Yehoshua Lakner oder Charles Uzor.

1992 wurde das seit 1985 von Bruno Spoerri und Gerald Bennett geführte Schweizerische Computermusik Studio ins Konservatorium und in die Musikhochschule Zürich integriert. 1999 entstand dann die Hochschule für Musik und Theater HMT, und so fusionierten die verschiedenen Institutionen auf Hochschulniveau im Bereich der Musik, des Theaters und des Tanzes aus Winterthur und Zürich.


Quellen:
Das neue/alte Haus; Zur Einweihung des renovierten Konservatorium-Gebäudes, 22. Mai 1987, Konservatorium und Musikhochschule Zürich, 1987
Das Haus zum Napf; Stadt Zürich, Präsidialdepartement Statistik Stadt Zürich, 2009
Sanierung und Ausbau des Konservatorium-Gebäudes, Dokumentation zur Pressekonferenz
vom Donnerstag, 21. Mai 1987
Den Künsten eine Zukunft, Hg. Hans-Peter Schwarz, Zürich, 2007