Valentine Michaud

Saxafonistin

Wie wichtig ist Publikum für deine Arbeit?

Das Publikum ist vielleicht der wichtigste, wenn nicht sogar der einzige Grund für meine Arbeit - das vergangene Jahr der Pandemie hat dies weitgehend bewiesen. Als Musikerin ist der Austausch mit dem Publikum bei Live-Konzerten entscheidend. Die Emotionen des Publikums, spielen eine grosse Rolle in der Qualität der Performance. Es ist auch sehr spannend, neue Musik einem Publikum zu präsentieren – besonders gerne, spiele ich für Kinder.

In welcher Form arbeitest du mit anderen zusammen?

Zusammenarbeit ist der Schlüssel für meine Arbeit und auch meine Karriere. Ich liebe es, von Freunden umgeben zu sein und die Bühne mit ihnen zu teilen und mag es, starke und dauerhafte Beziehungen zu Künstler:innen aufzubauen. Ich spiele seit 2015 viel Kammermusik mit Akvile Sileikaité (wir haben uns an unserem ersten Tag an der ZHdK getroffen). Unser «Duo Akmi» arbeitet regelmässig mit jungen Komponisten zusammen, um unser Repertoire zu erweitern. Ich habe auch ein Kollektiv transdisziplinärer Kunst «Sibja», mit meinem Bruder Emmanuel gegründet. Das Kollektiv entwickelt Performances, die Musiker, Tänzer, Videokünstler und Choreographen versammeln. Emmanuel und ich arbeiten immer zusammen, so dass wir gelernt haben, unsere Zusammenarbeit zu optimieren und unsere Stärken zu nutzen; und dann bereichern wir diese Basis mit den Talenten und Ideen vieler junger Künstler:innen, um multidisziplinäre Shows umzusetzen.

Was wärst du sonst geworden, wenn nicht …?

Ich denke, ich wäre Modedesignerin geworden. Ich liebe es zu nähen, Designs und Kostüme zu entwerfen. Ich mag den visuellen Aspekt dabei, welchen ich in der Musik nicht finden kann, jedoch auch mit der Bühne zu tun hat.

Gibt es einen Schlüssel-Moment in deinem Studium, von dem du bis heute zehrst?

Es gab eine Menge Schlüsselmomente. Ein wichtiger Schlüsselmoment war sicherlich, in meinem ersten Jahr eine ganze Show des Meisters zu schaffen. Gemeinsam mit meinem Bruder Emmanuel, mit Amit Dubester, einem Saxophonisten und zwei Tanzstudierenden der ZHdK, Naomi Kamihigashi und Luca Tomasoni. Die einstündige Performance «Glitch» war mein erster Versuch einer transdisziplinären Kreation und wurde ein Erfolg. Es bedurfte etwas Mut dazu, jedoch war dies der Beginn des spannendsten und persönlichsten Aspekts meiner bisherigen Karriere und legte den Grundstein für «Sibja». Meine Arbeit «Shout» – ebenfalls mit «Sibja», war ebenfalls ein Höhepunkt während meines Studiums, wie auch die Auszeichnung der Credit Suisse: Jeunes Solistes.

Was beschäftigt dich momentan am meisten?

Ich habe viele Projekte vor, wie zum Beispiel eine Neuproduktion mit «Sibja». Wir sind noch in der Entwicklungsphase und dies braucht Zeit. Das Konzept zu erstellen, Mitarbeiter zu finden, Promoter zu überzeugen, Gelder zu sammeln, Kostüme zu entwerfen und vieles mehr. Ich bin auch sehr damit beschäftigt, neue Musik in Auftrag zu geben, was auch eine Menge Papierarbeit erfordert, um Mittel für Komponisten zu beschaffen. Ich denke, es ist wichtiger denn je, nach einer so langen und stillen Zeit die Erschaffung neuer Werke und neuer Musik zu fördern. Und natürlich braucht es eine Menge Zeit, diese neue Musik für die kommenden Konzerte zu üben!