Claudio Landolt

Soundartist / Autor / Radiojournalist

Wie erklärst du einem Kind, aus was deine Arbeit besteht?

Ich mache viele verschiedene Sachen, mit Sachen, die tönen. Wenn man mich eindampfen würde, bliebe nicht mehr übrig als eine Tonspur. Manchmal wäre ich vielleicht eine Radiotonspur, manchmal eine Gitarre, dann wieder ein klingender Berg oder ein Text, der vorgelesen wird. Irgendwann als ich meine Ohren spitzte und der Strasse entlang ging, verliebte ich mich in alle Geräusche der Welt und begann sie zu sammeln. Manche Leute würden wohl auch sagen, dass ich Lärm sammle. Das stört mich nicht. Später dann, wenn ich wieder zuhause bin, höre ich mir die gesammelten Töne und Geräusche genau an und suche nach Klängen, die mich berühren. Manchmal ist das ein Lüftungsschacht, dann sind es wieder Regentropfen auf einer trüben Pfütze, oder manchmal auch einfach das ferne Pfeifen einer Eisenbahnlokomotive. Mit diesen eingesammelten Tönen mache ich dann etwas, das die einen Leute Kunst nennen, andere wiederum sagen es sei ein musikalisches Experiment, und nochmals andere sagen es seien einfach Geschichten. Geschichten stimmt insofern, weil ich meistens auch noch ein paar Dinge zu diesen Aufnahmen schreibe. Manchmal nur ein Wort, manchmal viele Seiten. Irgendwann kristallisiert sich dann plötzlich etwas aus den angehäuften Tönen und Texten. Und dieses neue Ding, nennen wir es Geschichte, trage ich dann normalerweise auch auf einer Bühne vor. Die Leute im Publikum fragen dann zum Beispiel, wieso ich diesen oder jenen Ton aufgenommen habe und wie ich gerade auf diesen Text gekommen bin und wir beginnen miteinander darüber zu sprechen. Kurz: Ich schaffe tönende Geschichten, die ich in der Welt finde und verbinde sie mit Texten, die mir aus den Fingern sprudeln.