Andriu Deplazes

Künstler

Wie erklärst du einem Kind, aus was deine Arbeit besteht?

Ich probiere innere Bilder zu malen, die man weder real sehen noch mit einer Kamera abbilden kann. Sie existieren in unseren Vorstellungen, Träumen oder Erzählungen.

Wieviel hat das was du aktuell tust mit deinem Studium zu tun?

Die Kernarbeit, die Auseinandersetzung mit Kunst und in meinem Fall das Malen, ist gleich wie im Studium. Nur bereite ich nun anstatt von Klassenpräsentationen Ausstellungen vor. Was damals interessante Auseinandersetzungen mit Studierenden und Dozierenden waren, sind nun die Kollaborationen mit KuratorInnen, KunstkritikerInnen und einer Galerie.

Was beschäftigt dich momentan am meisten?

Ich beschäftige mich momentan mit dem Begriff Natur. Wie äussert sich bildlich unsere Wahrnehmung der Natur? Was ist für uns die Wildnis oder wie sieht im urbanen Raum die Idylle aus? Ich beobachte dabei spezifisch den Menschen. Wie er in unserer Gesellschaft mit seinen Rollen und Aufgaben funktioniert und wie sich dies bildlich äussert. Dies sind grosse Themen der Malerei, wodurch ich mich oft auch mit deren Geschichte beschäftige.

Fühlst du dich zu einer bestimmten Szene zugehörig?

Nein, ich fühle mich keiner Szene zugehörig. Während meinem Studium in Zürich war ich oft im Atelier und verbrachte viel Zeit mit Musikfreunden. In eine Kunstszene bin ich damals nicht eingetaucht. Das Ende des Studiums verbrachte ich in Brüssel und nun lebe und arbeite ich in Marseille. Durch meine Aufenthalte in verschiedenen Städten, habe ich mir einen Freundeskreis aufgebaut, der sehr heterogen und in keine Szene einzuordnen ist.

Wer oder was inspiriert dich?

Ich probiere sehr viel zu beobachten und die Bilder, die ich sehe, zu reflektieren. Einerseits nehme ich mein Umfeld war, anderseits recherchiere ich im Internet oder finde immer wieder Ideen in der Kunstgeschichte, die Bezug zu unserer Zeit haben. Schicksale, die eine ganze Gesellschaft konfrontieren, zum Beispiel die Brüsseler Attentate von 2016 beschäftigen mich dabei besonders.

Welche Räume brauchst du, welche braucht deine (Praxis)?

Ich arbeite im Atelier und stelle in Ausstellungsräumen aus. Ansonsten liebe ich das urbane Gebiet mit all seinen Zufällen und Vermischungen von Kulturen. Neben anderen Menschen zu leben und zu arbeiten, spielt dabei eine zentrale Rolle.

In welcher Form arbeitest du mit anderen zusammen?

Ich arbeite vor allem in der Planung von Ausstellungen mit Anderen zusammen. Ich denke damit zum Beispiel and die Realisation eines Kataloges, das Schreiben von Texten, das Gestalten mit GrafikerInnen oder die Kuration einer Ausstellung. Die MitarbeiterInnen der Galerie bieten mir dabei eine grosse Unterstützung in allen Bereichen.

Wie funktioniert dein (berufliches) Netzwerk, welche Rolle spielt es im Alltag?

Mein berufliches Netzwerk ist vor allem über verschiedene Zusammenarbeiten entstanden. Es sind oft freundschaftliche Bindungen entstanden, die anhalten und bei denen man sich immer wieder für einander interessiert. Manchmal entsteht dadurch eine neues Projekt. Im Alltag sind diese Beziehungen über Telefonate oder Emails präsent.

Wo wärst du gern dabei oder vertreten?

Nach meinen ersten Ausstellungen ist für mich nun wichtig eine Kontinuität zu entwickeln. Ich wünsche mir weiterhin in Institutionen auszustellen und auch Teil derer Sammlungen zu werden. Ich mag es sehr im musealen Kontext zu stehen. Ich schätze die Arbeitsweise mit KuratorInnen und liebe Ausstellungen in diesen für die Kunst gebauten Räumen zu realisieren.

Wie würdest du für dich Erfolg definieren?

Grundlegend erachte ich es als ein Erfolg, wenn ich das was ich machen möchte, auch realisieren kann. Das Erlebnis bei der Fertigstellung eines geglückten, eigenen Kunstwerks ist einmalig. Wenn dieses Werk dann schliesslich auch noch ein Publikum findet und verstanden wird, ist dies ein Erfolg.

Etwas das du aktuell vermisst? Etwas das du immer vermisst?

Ich würde gerne meine Arbeit ein bisschen lockerer nehmen können. Mein Alltagsleben und meine Arbeit vermischen sich stark, somit ist die Freizeit immer auch ein bisschen Arbeit. Dies ist wunderbar, manchmal kann es aber auch sehr intensiv und kräfteraubend sein.

Etwas das mich umhaut?

Es gibt Bilder, die alles sagen, ohne dass ein inhaltlicher Kontext verstanden werden muss. Es sind Ikonen, die unabhängig von Autor und Zeit immer ihre Berechtigung haben. Oft handeln sie von unseren tiefen menschlichen Verlangen, von Sicherheit, von Geborgenheit oder Gemeinsamkeit.

Was wärst du sonst geworden, wenn nicht …?

Ich hatte verschiedene Berufsträume. Als Kind wollte ich Bergbauer werden, später interessierte ich mich für die Biologie oder Agronomie. Als Musiker habe ich mich auch versucht und habe besonders während des Kunststudiums in verschiedenen Gruppen Klassik, Tango Nuevo, Klezzmer und Pop als Klarinettist gespielt.

Welche Frage wird nie gestellt, sollte aber?

Was bedeutet es als Künstler über sich Auskunft zu geben? Menschen interessieren sich für Menschen. Es ist mir jedoch ein Anliegen als Rezipient die Kunst möglichst unabhängig vom Autor zu betrachten. Das grosse Verlangen nach Auskunft über die Kunstschaffenden, ohne dass zuvor deren Kunst sorgfältig analysiert wurde, finde ich problematisch. Insofern wünsche ich, dass sich Kunstinteressierte ihr Bild über meine Malerei nicht über diesen Fragebogen machen und diesen eher zur Unterhaltung lesen.