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Ingo Giezendanner
Stricher
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Ausbildung
Grafik, 1996
Tätigkeitsfelder
Zeichnung
Stift auf Papier
Teil eines Grossen

"... Wie einer, der auszieht, mit einem schwarzen Gesellenhut, und den Städten
sein Handwerk andient, doch anstatt mit einer guten Geschichte mit einer
Zeichnung nach Hause kehrt. Ausgestattet nicht mit Hammer und Meißel,
sondern mit Stift und einem Büchlein, oft nicht größer als ein Reisepass, in
dem Grrrr festhält, was er sieht. Aber nicht nur festhält, vielmehr untersucht,
oft beim einzelnen Blatt eines Baumes beginnt, in seinem neuesten Buch
Zzz Züri (GRR51) gar beim einzelnen Regentropfen, und dann bis zu den
Rändern seines Heftes gelangt. Seite für Seite füllt. Manche Dinge
wiederholen sich: Bärte, Tags, Autos, Absperrungen, Regen und Blätter,
immer etwas versehrt, meist in einer Stadt voller Spuren und gebrochener
Spiegelungen. Dabei überlagern sich seine Striche häufig, haben eine Tiefe,
und dann scheint doch alles in den Vordergrund drängen zu wollen, so dass
man sich einen Überblick immer wieder von neuem verschaffen muss. Als
ob die Zeichnungen – deren Sujets zwar sehr konkret und wiedererkennbar
sind, der Strich sehr fein und klar, in seiner Vielheit sich aber oft auflösend
und zu entziehen suchend – gegen ihre eigene Klarheit angehen wollten.
Wodurch man erst begreift, wie viel man sieht, wenn man in der Stadt auch
nur für einen Augenblick die Augen öffnet.
Und doch ist es nicht nur die einzelne Zeichnung, die Grrrrs Kunst
ausmacht, es ist das Zusammenspiel und die ungeheure Vielfalt, aber auch
die Anzahl seiner Zeichnungen, die mittlerweile einen Großteil der Welt,
vorzugsweise Städte, umspannt. Während Fotos oft dem Licht und Wetter
allgemein und der Komposition und dem ersten Blick geschuldet sind, sind
es Grrrrs Zeichnungen mindestens so sehr der Lust am Zeichnen, dem
Handwerk, dem Verweilen und auch dem Zufall. Darüber hinaus ist genauso
wichtig, was über den Strich der Hand hinausgeht, ein Werk ausmacht, in
dem zwar alles als einzelnes gelesen werden kann, das einem aber, je mehr
man kennt, umso komplexer und unbegreiflicher, umso grösser und teurer
wird."

Werner Rohner, 2013