Projekt

A Lovely Piece of Shit
Benjamin Burger, Premiere: 10.2014

Projektart

Theater

Beteiligte

  • Benjamin Burger, Kreation, Schauspiel
  • Dimitri Stapfer, Kreation, Schauspiel
  • Ray Herlitz, Kreation, DJ
  • Tobias Bienz, Kreation, Schauspiel
  • Henriette Herm, Kostüm

Informationen

Die Existenzängste unlängst im Champagner ersoffen, befinden wir uns in jener aufrichtigen Katerstimmung in der man begreift, dass man die Eskapaden der letzten Nacht bedingungslos akzeptieren muss, aber dennoch an die eigene Besinnung in der Zukunft glaubt.

KURZ
Mit Gewummer durch die Nacht und das Leben Wir jagen die Happyness und verwandeln unser Leben in ein vergoldetes Spektakel mit Einhörnern, Astronauten und Zombies. Alles ist am Arsch aber wichtiger als die Wahrheit ist das Glück. «A Lovely Piece of Shit» demonstriert unsere persönlichen Dystopie einer rücksichtslosen Wohlfühlkultur. Das Stück wird zu 127 Beats die Minute in Elektroclubs und Festivals im Partybetrieb aufgeführt. Der Exzess ist unsere Kulisse. Hierdrin ziehen Gäste und Performer gemeinsam von Höhepunkt zu Höhepunkt und stürzen gemeinsam in einem hedonistischen Tiefenrausch auf das Ende zu.

PLOT
Wir befinden uns in einem Elektroklub morgens zur Stunde Null: der Klub macht keine Einnahmen mehr, die zahlungswillige kritische Masse ist längst zu Hause oder in fremden Betten, zurück bleiben die Unersättlichen knietief im Trümmerhaufen der Vergnügsamkeit. Unsere Kulisse: plattgedrückte Plastikbecher, durchnässte Flyer und Zigarettenstummel. Hier und da Reste von spontanen Glitzer- und Konfettiattacken überdrehter Nachtschwärmer, eine kaputtes Handy inmitten einer Pfütze auf dem klebrigen Boden und ein paar komatöse Opfer, vergessen und ignoriert, vereinzelt am Rand der letzten Schlacht.
Hier treten wir auf die Bildfläche bzw. bricht das Finale über uns hinein. Sieben Stunden zuvor haben wir den Abend im Klub eröffnet, sind mit den Besuchern auf die Tanzfläche geflüchtet: vor Weltproblemen, vor neoliberalistischem Jasagertum, vor Optimierungswahn, vor Infektionsangst, vor Yoga und vor allem vor Zarathustra. Der hat uns zuvor geraten, wir sollen was machen, die Welt verändern, um nicht wie die letzten Menschen im Leerlauf der Gesellschaft zu enden: wo Freude Dauerzustand ist, alle gleich sind und nichts mehr weh tut. Also haben wir gemacht – yes we can: Wenn Zarathustra das sagt, muss es stimmen, er ist ein Freund von Nietzsche und hat 39.000 Likes auf Facebook. Doch letztlich hat der Ratschlag uns nichts näher gebracht als den Untergang. Um dort herauszukommen, haben wir das Wummerland errichtet, ein Ort ohne Sorgen, an dem jeder sein darf wer oder was er will. Dieses Wummerland haben wir durch die Nacht mit den Gästen befeiert, betanzt und besungen, sie mit Glitzer zu Wummerländern gemacht. Doch am Morgen, wenn der Plattenteller eiert, beginnt auch das Wummerland zu bröckeln. Mit dem grellen Putzlicht nach dem letzten Beat stürzt die Realität mit voller Härte wieder auf uns ein. Können wir das Wummerland wieder zurückholen? Wir wandeln das Finale in ein übertriebenes Ablenkungsmanöver – niemand darf merken, dass die Probleme auch hier, in unserem Wummerland, Schlupflöcher finden. Wir suchen Schuldige, verbarrikadieren die Grenzen und gründen mit den «Patriotischen Einhörnern gegen das Ende des Abends», eine Phalanx gegen die Unglücklichen. Wir versuchen unser Refugium aufrecht zu erhalten, bis wir schliesslich zum nächsten Höhepunkt von dannen ziehen und die letzten Menschen zurück auf dem Dancefloor lassen, in unserem gemeinsamen Zeugnis der Besinnungslosigkeit.

ORTE
Fusion Festival (Lärz, D), Mensch Meier (Berlin, D), Sektor Evolution (Dresden, D), Südpol Luzern (CH), Südpol Hamburg (D), Hive (Zürich, CH), Hinterhof (Basel, CH), Johnny Knüppel (Berlin, D), Salzhaus (Winterthur, CH), Festival: Komm in die Gänge 2016 (Hamburg, D), Zukunft (Zürich, CH), Kauz (Zürich, CH), Weltkongress der hedonistischen Internationalen (D), Mehrspur (Zürich, CH), Transit Zürich (CH), Krempel Buchs (CH)

Nominiert an den Heidelberger Theatertagen 2017

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