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netzhdk vergibt jedes Jahr an einen Bachelor- oder Master-Alumni der ZHdK einen mit 10'000.– Franken dotierten Förderpreis.

Ausgezeichnet wird eine Person oder eine Gruppierung, deren Schaffen durch besondere Eigenständigkeit, Innovationskraft und fachliche Qualität auffällt. Die Nominationen erfolgen jeweils durch die Studiengangs- und Vertiefungsleitungen der ZHdK.

Wir haben allen Nominierten sieben Fragen zu ihrem Schaffen, ihrer Studienzeit und ihren Zukunftsplänen gestellt. Die Antworten können hier gelesen werden.

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MA Musik, Jazz
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An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Derzeit erarbeiten wir die Musik für unser neues Album, das wieder bei Intakt Records erscheinen wird. Die bei der Produktion von Decoy (unserem Debut-Album) gesammelten Erfahrungen mit elektronischen Instrumenten, Recording und Producing sind seither bei Live-Konzerten immer wichtiger geworden. Wir haben unseren Sound und unsere Arbeitsweise nach Decoy weiterentwickelt, suchten nach neuen Klängen und haben uns in diesem Prozess auch von gewissen Dingen befreit. Mittlerweile sind wir elektronischer, wir singen, Synths sind dazugekommen…
Damit verbunden sind kommende Touren im Herbst 2019 und Frühling 2020. Das neue Album wird voraussichtlich gegen Ende 2020 erscheinen. Zudem arbeiten wir an einem neuen Live-Video, welches diesen Sommer entstehen wird.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Wir funktionieren seit je her nach dem Prinzip einer Working-Band. Das musikalische Material entsteht zu einem Grossteil in unseren Proben. Komposition und Arrangements sind also ein kollektiver Prozess. Zudem verbringen wir auch in unserer Freizeit und in anderen Pojekten (z.B. Gamut Kollektiv) viel Zeit miteinander. Seien dies intensive tägliche Proben als Band im Sommer oder Ferien zu viert. Unsere tiefe Freundschaft geht bis in die Anfänge unserer Studienzeit an der ZHdK zurück und ist für uns enorm wichtig. In unserer Musik suchen wir immer nach Tiefe und Emotionalität; das bekommt auch das Publikum mit. Qualität wächst also in unserem Fall aus einer langjährigen und intensiven Zusammenarbeit, Freundschaft und grossem gegenseitigem Vertrauen heraus.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Musiker

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Das ist eine schwierige Frage… Vieles wird einem erst nach dem Studium bewusst, im quasi “realen“ Umfeld durch Reflexion. In unserem Fall als Band haben wir am meisten von der Infrastruktur (Räume zum Proben) und der Unterstützung von MitstudentInnen und DozentInnen profitiert – eine Wertschätzung für das, was man macht. Ohne die ZHdK hätten wir uns nie kennengelernt; die Schule hat uns zusammengebracht und uns einen Space gegeben, um unsere Ideen und Visionen umzusetzen; sich zusammen völlig vertiefen zu können, an nichts anderes Denken zu müssen. Wir waren besessene Freaks (oder sind es immer noch). Die ZHdK hat uns diese elementare Freiheit gegeben, das war extrem wertvoll. Nach einer solchen intensiven Studiumszeit ist es aber auch wichtig, sich wieder zu öffnen, sich auf andere Prozesse einzulassen. Wir haben Jazz studiert, aber es gibt ja auch Anderes. Andere Szenen, andere Leute, andere Musik, die für uns auch wichtig ist- das ist unsere Realität. Das hat nichts mit dem zu tun, was im “amerikanischen Jazz“ passiert.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Wir haben vor allem neue Realitäten kennengelernt: Wie fühlt es sich an, bei einem grösseren Label unter Vertrag zu sein, Booking machen zu müssen und Touren zu organisieren? Clubs, Veranstalter, Spotify, CD-Verkäufe, Merch, Presse- das ist alles dazugekommen. Wir haben immer einen Vorwärtsdrang, überlegen uns, wie wir unsere Ziele als Band erreichen können und tauschen uns auch regelmässig mit Leuten aus, die schon länger im “Business“ sind wie zum Beispiel Christoph Irniger oder Elina Duni. So lernt man von Erfahrungen, die einzelne schon vor uns gemacht haben. Davon kann man ungemein profitieren, aber es ist effektiv ein learning by doing.

Wir leben in einer kapitalistischen Welt und sind alle diesen Zwängen scheinbar ausgeliefert. Wie findet man da seinen eigenen Weg? Und als Band: Ergibt man sich dem Kommerz für Bekanntheit und Erfolg? Was ist Erfolg? Wir haben Vertrauen in das was wir machen und suchen unsere eigenen Wege.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Isabelle Seiffert (Offshore Studio), die unsere gesamte Visual Identity geschaffen hat, haben wir zufällig an einem unserer ersten Konzerte kennengelernt. Ihre Arbeit inspiriert uns sehr und sie macht einen grossen Teil unserer Bandidentität aus.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Wir haben viel im Stillen gearbeitet, jetzt geht es darum unseren neuen Sound unter die Leute zu bringen und an neue Orte zu gelangen!