Menu

Victor Aviat

MA Musik, Klassik

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Es sind mehrere Projekte. Ein Symphonisches Konzert mit dem Orchester des Teatro Massimo in Palermo Ende Juli, gefolgt Mitte August von meiner letzten Tournee als Solo-Oboist des Budapest Festival Orchestra in Mahlers dritter Symphonie unter der Leitung von Ivan Fischer.

Ab September werde ich der neueYoung Conductor in Association des Bournemouth Symphony Orchestra 2016/17. Ich werde das Orchester auf Konzertbühnen regelmässig dirigieren, sowie durch das Participation Department in ganz Süd- und Südwest-England Education und Community Projekte führen. Ich bereite mich auf diese Rolle sorgfältig vor.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Ein Dirigent verfügt über drei Kanäle. Der erste führt zum Werk selbst. Er bildet die erforderlichen Kenntnisse über Komponisten und deren jeweils eigene musikalische Sprache. Wie die Musik windet er sich um alle Arten von Kunst und findet gemeinsame Fragen in der Literatur und der Philosophie. Der zweite Kanal führt zum Orchester und zeichnet die komplexe menschliche und künstlerische Beziehung, die ein Dirigent mit seinem «Instrumentarium» entwickelt. Er muss sowohl ermutigen, erfordern, unterrichten als auch loslassen, vertrauen, inspirieren, «spielen lassen» können. Der dritte Kanal führt zum Zuhörer. Er sorgt dafür, dass die Musik ihre Mission erfüllt. Alle drei Kanäle sind für einen Dirigenten sehr wichtig. Wenn er alle drei beherrscht, kann man schon von grosser Qualität sprechen.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Musiker. Aber richtiger wäre Hansdampf in allen künstlerischen Gassen!

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Die beste Lektion war zu verstehen, dass das Studium rahmenlos ist und einen das ganze Leben begleitet. Lernen kommt also von sich und nicht davon, unterrichtet zu werden. Meine Professoren waren Coach und Kreativitätsauslöser, die nie versucht haben, ein Muster auf mich zu drücken.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Gerade frisch aus dem Studium ist man als naiver hoffnungsvoller Idealist eine sehr einfache Beute im professionellen Bereich. Ich habe gelernt, diesen Idealismus zu bewahren und Hoffnungslose damit zu begeistern. Nicht einfach!

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Jean-Laurent Cochet, Fabienne Verdier, Bruno Ganz, Peter Doig...

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Dirigieren ist eine sehr komplexe Disziplin, die viele Fähigkeiten und Fertigkeiten verlangt. Ein grosser Teil dieser Eigenschaften passiert ausserhalb des Musikentstehens. Als Dirigent bringt man Menschen zusammen, man pflegt die Beziehung einer Kommunität zur Musik, man entwickelt Programme die einen zum Nachdenken bringen und bildet ein Publikum über Jahre und Jahrzehnte. Zudem verfügt man über eine gewisse Macht, sich für das Gute zu engagieren und von Massen gehört zu werden. Besonders heutzutage, in der aktuellen Vertrauenskrise der europäischen Länder, ist es des Dirigenten Pflicht, die ökumenische Dimension der Musik - und der Kunst im Allgemeinen - wiederherzustellen, ganz angesichts der Geschichte, in der man sich bei jeder Zweifelssituation zur Kunst hingewandt hat. Ich freue mich auf die Verantwortungen, die ab September in England auf mich zukommen werden und bin überzeugt, dass mich diese Erfahrung in Sachen Kommunikation, Nähe und Teilung vermehrt entwickeln wird.