Thomas Giger
MA Theater, Bühnenbild
Gerade arbeite ich an einer Auftragsarbeit, bei der ich eine größere szenografische Geste für ein altes, römisches Theater in der Schweiz (Augusta Raurica, bei Basel) entwerfe und umsetze. Für eine Produktion des Theaterdiscounters Berlin erarbeite ich zurzeit ein Raumkonzept zu einer Theater-Performance und für ein schweizweites Musiktheater-Projekt bin ich gerade daran, mit den Beteiligten in die Umsetzungsphase überzugehen. In meinem Atelier entwickle ich zudem ständig Objekte und Zeichnungen, die sich eher im Rahmen der bildenden Kunst bewegen.
Qualität ist gemeinhin zuerst einmal Attribut verschiedener Parameter wie Exaktheit, Veredelung, Präzision usw. Für mich ist Qualität in der Kunst jedoch verknüpft mit der Frage nach Distanz. Zentral ist mir hierbei die Verringerung dieser Distanz zwischen dem „inneren Körper“, (meiner Idee/ meinem Gefühl), und der eigentlichen materiellen Artikulation der Arbeit, des Werkes selbst. Je kleiner diese Distanz zwischen meinem inneren Körper/Gefühl zu einer Arbeit und der wirklich eigentlichen Arbeit ist, umso höher werte ich die Qualität.
Künstler
Das sind ehrlich gesagt zwei:
Die erste Lektion ist vielleicht die, dass, wenn mich an einem Projekt irgendetwas stört, oder mir auffällig bleibt, ich mein Auge (und natürlich auch meinen Fokus) so lange darauf ruhen lasse und daran arbeite, bis mein Auge darüber hinweggleitet, ohne es zu bemerken. Es gibt für mich in meinen Arbeiten eigentlich keine Fehler, aber es gibt Dinge, die sich nicht mit meinem inneren „Bild“ oder Gefühl einer Arbeit verschränken lassen. Diese nicht zu ignorieren, ist eine wichtige Lektion, die ich gelernt habe.
Die andere Lektion ist es, dumm zu bleiben. Eine Idee kann sich durch Reflektion schnell abnutzen und ich denke, dass Sprache oft auch eine zersetzende Wirkung auf Schöpfungsprozesse haben kann. Mir sind philosophische Konzepte wichtig, und ich zehre sehr von ihnen, aber einer neuen Idee gegenüber muss ich dumm bleiben. In der Umsetzung muss ich ganz auf meine Intuition, die Intention und den Schwung der Geste vertrauen. Wenn ich anfange, diese zu stark durch Sprache zu artikulieren, oder sie zu sezieren, dann geht sie ein. Ich kann dann zwar mit Sprache die Idee erklären, diese in die Sprache überführen, aber es gibt dann für mich eigentlich keinen Grund mehr, sie Werk werden zu lassen.
Meine Praxis geht zurzeit immer von theoretischen Axiomen aus, um mich dann den jeweiligen Gegenständen der Arbeiten zu nähern. Das bedeutet aber nicht, dass die Theorie als solche verwertet und sichtbar wird - sie gilt mir vorrangig initial.
Pragmatisch gesehen, habe ich nach dem Studium bemerkt, dass der „Markt“ und seine Logik meine Arbeitskonditionen grundsätzlich beeinflussen. Ich musste mir über die Jahre meine Selbstvermarktung aneignen.
Bei Persönlichkeiten denke ich erst einmal an die Arbeiten neben den Persönlichkeiten. Da faszinieren mich gerade die Arbeiten von Timur Si-Qin und Pamela Rosenkranz sehr. Bei beiden schätze ich die transformative Kraft: Die Art, mit der sie sich die Welt aneignen und diese unverfroren „rückveräussern“. Sie lassen regelmässig in mir ohnmächtige Lücken entstehen, die mich dann auffordern, sie aus mir selbst heraus zu füllen – einen Vorgang, den ich als grösste Mächtigkeit der Kunst empfinde.
Da ich zurzeit sehr mit Theaterarbeiten beschäftigt bin, wo sich die Autonomie des Einzelnen in Kollektiven oder kollektiv ähnlichen Strukturen auflöst, würde ich mich in Zukunft gerne wieder vermehrt auf eigenständige Arbeiten konzentrieren.
Immer wieder fasse ich Gedanken in installativen Körpern zusammen. Zum Beispiel in einer Serie mit zweckentfremdeten Alltagsgegenständen, die ich gegenüberstelle.
Auch untersuche ich zurzeit in einer fortlaufenden Arbeit das performative Moment der Zeichnung. Dies tue ich in Form von feinen, grossformatigen Schraffuren.