Stephanie Hänsler
MA Musik, Komposition
Zurzeit schreibe an einem neuen Klavierquintett, ein Auftragswerk für ein Festival im September. Ich befasse mich darin mit einer äusserst seltsamen mythischen Figur aus Borges «el libro de los seres imaginarios»...
Daneben haben wir mit unserem Barock-Ensemble gerade eine Aufnahme und Konzertreihe hinter uns und planen mit grosser Lust die neue Saison.
Und pädagogisch ging gerade der «Carneval der Tiere» mit dem Kinderorchester unserer Schule und mit Schauspielern über die Bühne!
Qualität entsteht für mich aus der Schnittmenge von hundertprozentigem Einsatz mit Haut, Herz und Haar, einer scharf geschliffenen Selbstreflexion und der Bereitschaft, immer wieder bei Punkt Null zu beginnen. Dazu gehören unweigerlich viele Stunden harte Arbeit, aber auch eine grosse Portion Abenteuerlust, Neugier und Verspieltheit.
Musikerin – ich finde diese allgemeine Bezeichnung gerade sehr angenehm, da ich ungern in eine Ecke gedrängt werden möchte. Ich beschäftige mich täglich mit ganz neuer, mit sehr alter oder auch romantischer Musik, oder habe die „pädagogische Brille“ auf, die mich nochmals anders hören lässt - ich geniesse die Bandbreite meiner verschiedenen Tätigkeiten und erlebe sie als gegenseitige Inspiration.
Einerseits von der wunderbaren Grundhaltung meines Geigenprofessors Robert Zimansky, den Auszubildenden die grösstmögliche Freiheit zu gewähren und diese bedingungslos und höchst kompetent zu unterstützen. Daran denke ich heute fast in jeder Lektion mit meinen eigenen Schülerinnen und Schülern. Andererseits ist es die Aufforderung zur äussersten Genauigkeit und Präzision, sowie zum Zweifeln und Hinterfragen meiner Ideen, wie ich sie im Kompositionsunterricht mit Isabel Mundry erfahren habe, die mir noch heute roter Faden meines selbstständigen Arbeitens sind.
Ich versuche mich in allen Bereichen stetig zu verbessern und jedes neue Projekt als neue Chance zu verstehen, auch mal etwas völlig Konträres zu wagen. Dies kann ich natürlich am besten im Bereich Komposition, wo ich z.B. kürzlich einen Stückanfang und ein ganzes Konzept über Bord geworfen habe, weil ich keine Lust mehr auf das bekannte Fahrtwasser hatte... Beim Komponieren bin ich sicher am risikofreudigsten, was aber einhergeht mit existentiellen Gefühlen – nirgends werde ich noch immer so „durchgeschüttelt“ wie beim Schreiben. Durch jedes neue Stück lerne ich wieder dazu und gerate in unbekannte Strömungen.
Pipilotti Rist: Ihr Umgang mit Raum, Licht und Bewegung haut mich jedes Mal um! Und ich bin fasziniert von allen Texten von Gabriel Garcia Marquez und sehr beeindruckt vom Werk von Carolin Emcke.
Komponieren verstehe ich als lebenslange Aufgabe, und so wäre es einfach mein Wunsch, die Anziehung möge nie nachlassen und die Neugier nie versiegen, um das, was ich heute mache, immer noch ein bisschen besser zu können in Zukunft.