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Salome Rinderknecht

Visuelle Gestalterin und Textildesignerin

Welche Räume brauchst du, welche braucht deine (Praxis)?

Ich brauche eigentlich nicht viel Raum: einen Tisch, einen grossen Bildschirm und ein volles Regal – das alles in einem Gemeinschaftsatelier. Manchmal träume ich von einem riesigen Atelier ganz für mich allein. Aber die Wahrheit ist: Ich brauche andere arbeitende Menschen um mich herum. Ihre Präsenz hilft mir, konzentriert zu bleiben und Dinge wirklich fertigzustellen.

Etwas das du aktuell vermisst? Etwas das du immer vermisst?

Gerade vermisse ich Zeit und Raum für ergebnisoffene Arbeit. Arbeit, die keinen klaren Zweck erfüllen muss, bei der ich einfach ausprobieren darf, ohne sofort ein Ziel oder ein Produkt im Kopf zu haben. Meistens aber vermisse ich das Gefühl von kurz- bis langfristiger finanzieller Sicherheit. Leider stehen sich diese beiden Wünsche oft gegenseitig im Weg.

Wie lässt sich dein Beruf mit Familie vereinbaren?

Seit ich Kinder habe, gibt es jeden Tag eine klare Deadline. Das hat meine Arbeit extrem verändert – im Guten wie im Schwierigen. Ich muss zu einer bestimmten Zeit aufhören, auch wenn ich gerade erst im kreativen Fluss bin. Gleichzeitig zwingt es mich dazu, wirklich anzufangen und nicht zu prokrastinieren. Die Flexibilität meiner Selbstständigkeit ist dabei Fluch und Segen zugleich.

Was wärst du sonst geworden, wenn nicht visuelle Gestalterin?

Vielleicht Wissenschaftlerin. Schon als Kind habe ich mich für Forschung interessiert, für Strukturen, für das Sammeln von Wissen. Aber selbst dabei habe ich mir eigentlich immer vorgestellt, wie ich meine Ergebnisse visuell aufbereite, in Bilder übersetze, sie grafisch sichtbar mache. Im Rückblick sehe ich, dass Gestaltung immer die Sprache war, mit der ich die Welt verstehen wollte – egal in welchem Beruf.

Hat dein Werdegang etwas mit spezifischen Geschlechterrollen zu tun?

Mit meinen Textil- und Strickprojekten habe ich eine weiblich konnotierte Designform gewählt – und damit auch ein Feld, das traditionell weniger Prestige hat. Textile Techniken werden bis heute oft als „weibliche Handarbeit“ abgewertet und nicht als ernsthafte künstlerische oder gestalterische Praxis wahrgenommen. Ich versuche, mich davon nicht frustrieren zu lassen. Für mich bedeutet Emanzipation auch, mich frei von den Erwartungen anderer zu machen und bewusst in diesem Feld zu arbeiten.