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Offshore Studio

MA Design

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Im Moment arbeiten wir an drei längerfristigen Projekten.

Bei zweien davon ist unsere Aufgabe, eine visuelle Identität für Kuratoren- und Ausstellungsprojekte zu entwickeln. Das erste dieser beiden Projekte setzt sich mit der Rolle von Sprache in Kunst und Gesellschaft auseinander – dabei hinterfragt ein Team deutscher Kuratorinnen, inwiefern soziale Klassen durch Sprache konstruiert und reproduziert werden. In dem zweiten Projekt, für das wir gerade eine Identität entwickeln, beschäftigen sich zwei Kuratorinnen aus Belgien und Frankreich mit Fragen der Artenvielfalt in Indonesien, welche durch die Konsequenzen globaler, ökonomischer Prozesse kontinuierlich abnimmt. Regenwälder werden zur Kultivierung von Palmölplantagen gerodet, die umliegenden Meere durch Plastik-Mikropartikel verschmutzt, und Korallen sterben durch überhitzte Meere ab. Die beiden Kuratorinnen untersuchen diese Prozesse durch die Lupe von postkolonialen Konzepten vor Ort, und wir versuchen, dieser komplexen Ausgangslage gerecht zu werden, indem wir eine visuell reizvolle Mischung aus traditionellen indonesischen Designelementen und abstrakten, artifiziellen und spekulativen 3D-Formen kreieren.

Und zuletzt arbeiten wir gerade auch noch an der nächsten Ausgabe von «Migrant Journal», unserem Langzeit-Publikationsprojekt, das sich mit Migration in all ihrer fordernden Vielfalt und Weitläufigkeit auseinandersetzt. Im kommenden Heft wird es um Migrationsformen in der Luft und in den Meeren gehen. Wir sind gerade dabei, inhaltliche Recherche zu betreiben und lernen dabei viel über Migrationsmuster von Zugvögeln, Drohnen, den Klimawandel, die globale Bedeutung des Warenverkehrs auf hoher See und durch den steigenden Meeresspiegel langsam untergehende Inseln im Südpazifik.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Qualität im Grafikdesign bedeutet für uns, relevante Inhalte durch starke konzeptuelle Ideen, visuelle Expressivität und perfektes Handwerk in die Öffentlichkeit zu tragen. Wir sehen Gestaltung dabei als Werkzeug der Vermittlung, dessen Ausprägung sich aus den gegebenen Inhalten aber auch aus unserer persönlichen Haltung dazu ableitet.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Designerin, Grafiker

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Wir hatten beide das Glück, bei Kurt Eckert, einem der erfahrensten Buchgestalter und Dozenten in der Schweiz, zu studieren. Am Ende unseres Masterprojektes hat er mit uns das Cover unserer Bücher typografisch überarbeitet. Dabei sind wir teilweise Stunden zusammengesessen und haben die Abstände zwischen Buchstaben justiert. Seine Sensibilität für diese Aspekte der Gestaltung und das Sich-Bewusst-Werden über den Unterschied, den gut ausgearbeitete Details machen, prägen uns bis heute.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

So gerne wir auch eine andere Antwort geben würden, wahrscheinlich im geschäftlichen Bereich: Kommunikation mit Kunden, Preise kalkulieren, Entwürfe präsentieren, administrativ-bürokratische Arbeiten, etc.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Wir waren vor kurzem in einer Ausstellung von «Forensic Architecture», einem Kollektiv, dessen Praxis uns stark beeindruck hat. Die interdisziplinäre Gruppe ist an der Goldsmith University beheimatet und vereint Methoden aus investigativem Journalismus, Visualisierungstechniken, Architektur, Medientechnologie, Recht und Naturwissenschaft, um Kriegsverbrechen und die Ursachen humanitärer Tragödien aufzuklären.

Eine weitere Persönlichkeit, die uns fasziniert, ist Paul Laffoley. Er war ein amerikanischer Künstler, der 2015 verstorben ist. In seinen visionären und oft spirituellen Gemälden verband er Schrift und Bildelemente zu komplexen Schaubildern, die sich mit Themen wie Zeitreise, Dimensionalität und Theorien über Kosmos, Zeit und Raum auseinandersetzen. Er war ein Meister darin, Wissenschaft, Philosophie, Architektur und Esoterik in grossen Mandala-artigen Gemälden in Zusammenhang zu stellen.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren über den konventionellen Horizont der Grafikbranche hinauszublicken, und die Grenzen des klassischen Grafikdesigns zu hinterfragen. Dabei wollen wir eine vermehrt universalistische und transdisziplinäre Praxis kultivieren, die auch Bereiche wie Motion Design, Programmierung, 3D, Theorie und Research in unser Schaffen als visuelle Gestalter integriert.