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Maurizius Staerkle Drux

BA Film

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Seit meinem letzten Kinofilm DIE BÖHMS – ARCHITEKTUR EINER FAMILIE entwickle ich weitere Filmprojekte, die ich nun im Hinblick auf eine filmische Umsetzung konkretisiere. Das beinhaltet neben der Schreibphase nun die Finanzierung und die lang andauernde Drehphase, die meine Art des Filmschaffens ausmacht: Ich versuche sehr lange zu filmen, um viel ausprobieren zu können, meinen Protagonistinnen und Protagonisten wirklich nahe zu kommen und besondere Momente drehen zu können. Neben der Umsetzung meiner eigenen Projekte vertone ich Spielfilme für anderer Regisseurinnen und Regisseure.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Wenn sich Spontanität mit handwerklicher Virtuosität verbindet, die gesteckten Ziele sich durch Umwege in neue Visionen wandeln und sich Inhalt und Form auf sinnliche weise zu einem Kunstwerk verdichten, das auf mehreren Ebenen lesbar ist.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Filmemacher

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Gerne erinnere ich mich an ein Seminar einer Schwedischen Filmemacherin, bei der wir täglich einen Zettel ziehen mussten, auf dem ein kurzer Satz zur Herausforderung wurde: Das Ziel war, den anderen Studentinnen und Studenten ein auf dem Zettel geschriebenes Statement ohne Dialog in einem Kurzfilm zu vermitteln. In diesem Seminar konnten wir alle innerhalb einer Woche erproben und erfahren, wie herausfordernd und reizend zugleich es ist, sich in der filmischen Sprache auszudrücken und verständlich zu machen. Und um das geht es meiner Meinung nach auch in der Kunst: Seinen eigenen, sinnlichen Ausdruck zu finden, der die Grenzen der Sprache, Geschlechter, Religionen und Gesinnungen überschreitet.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Insbesondere schätze ich die Erfahrungen im dokumentarischen Beobachten bei meinem letzten Film während knapp 100 Drehtagen, dem dramaturgischen Aufbau einer Geschichte sowohl im Schneideraum, als auch beim Schreiben neuer Projekte. Die wohl meiste Erfahrung habe ich beim experimentellen Vertonen von über sieben Kinofilmen sammeln können.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Ich bin mit einem gehörlosen Pantomimen als Vater und einer musikalischen Kabarettistin als Mutter aufgewachsen. Dieses Spannungsfeld zwischen Mimik, Körperlichkeit, Musik und Wortakrobatik hat mich geprägt und inspiriert mich auch heute noch. Ich schätze eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern, die waghalsig und mutig neues Terrain betreten und ein wichtiges Rad unserer Gesellschaft sind. Ich denke an Jacques Brel oder Nina Simone, Marcel Marceau, Loriot, Peter Zumthor und viele andere.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Alle Prozesse des Filmemachens faszinieren mich gleichauf, von der ersten Idee bis hin zur präzisen Gestaltung auf Narrations-, Bild- und Tonebene. Ich strebe immer mehr die Fähigkeit an, einen Film im kleinsten Team gesamtumfassend zu gestalten. Mich inspiriert bis heute der französische Begriff der «caméra-stylo», bei dem der Filmemacher „mit seiner Kamera schreibt, wie ein Schriftsteller mit einem Stift“. Wobei bei mir persönlich das Augenmerk nicht auf dem Bild, sondern mehr auf dem Ton liegt.