Flurin Borg Madsen
MA Theater, Bühnenbild
Ich arbeite im Moment an einer futuristischen Oper "Perela". Der Entwurf ist gerade fertig angelegt worden.
Ausserdem entsteht im Rahmen der Händelfestspiele in Karlsruhe die Oper "Teseo" von Händel.
In Arbeit ist auch "The Black Rider" in Saarbrücken - beides im Team mit Daniel Pfluger und Janine Werthamnn.
Im Herbst werden die Proben für "Rusalka" in Biel beginnen.
Längerfristig arbeite ich auch an einer freien Arbeit mit dem Komponisten Marcell Sägesser. Wir hatten schon bei meinem Masterprojekt in Zürich zusammengearbeitet, und haben im Rahmen des Podiums „Neue Musik in Esslingen“ die Möglichkeit bekommen, mit der Firma Festo zusammenzuarbeiten. Eine internationale Firma für Produktionsprozesse, Feinmotorik und Präzisionsmechanik.
Qualität in der Kunst ist ein schwieriges Thema. Ich kann nur für mich sprechen. Mir ist die Aneignung meines Entwurfes durch alle Beteiligten des Teams sehr wichtig.
Ein handwerklich perfekt ausgearbeitetes Bühnenbild für sich alleine reicht nicht aus. Eine Bühne als Solitär hat sein Ziel verfehlt.
Ein Manko ist ausserdem, wenn man vielleicht eine grandiose Idee hat, diese aber nicht wirklich am konkreten Ort umsetzen kann, bzw. mit zu wenigen Mitteln, dann ist die Qualität nicht ganz erreicht. So leid es einem auch tut, der Entwurf ist dann überproportioniert.
Die Bühne muss ein "Werkzeug" sein. Somit kann ein guter und produktiver Arbeitsprozess am laufen gehalten werden, welcher alle Beteiligten eines Werkes im Schaffen voranbringt.
Bühnenbildner, das verstehen wenigsten ein paar Leute...
Just do it! Immer konkret werden mit den Möglichkeiten die jetzt und hier zu Verfügung stehen. Angemessen auf die bestehenden Möglichkeiten reagieren, plus eine Priese Überforderung oben drauf.
Suprematismus von Kasimir Malewitsch. Generell Philosophie. Wissen was einen interessiert, was man will, aber genügend beweglich sein um auf Dinge zu reagieren. Sich die Dinge aneignen und so die Chance nutzen, neue Dinge zu erschaffen.
Termine einfordern und einhalten zum eigenen Seelenheil. Balance zwischen Zusammenarbeit, Kompromisse schliessen und dem Durchziehen der eigenen Idee.
Welche Ansagen notwendig sind. Was will und muss man als einzelner Künstler durchsetzen, und was lässt man bewusst zur Aneignung durch das Team offen.
Truman Capote, wegen seiner Dokumentarromane. Heiner Göbbels, wegen....!!! Rem Koolhaas, wegen seiner Komplexität, die dann doch sehr konkret und pragmatisch wird. Warhol. Schlingensief, wegen allem. Svetlana Alexejowitsch, Möbius, John Cage... Rebecca Horn und Ihre maschinellen Pfauen in Ihren Filmen....
Schwierig zu sagen. Es gibt sehr viele...
Ich weiss nicht, ob ich das jetzt schon sagen kann. Die frischen, spontanen Ideen sind erstmals raus. Die Grundrezepte sind erstmals gesetzt. Es muss die nächste Stufe in der Arbeitsweise angestossen werden.
Ich hatte bisher das grosse Glück, in allen Projekten etwas Interessantes finden zu können. Ich werde aber langsam wählerisch.
Ich arbeite gerne mit dem klassischen Theater, mit seinen Ritualen, seiner Geschichte und seinen Gewohnheiten. Aber frei nach Heiner Göbbels, das Staatstheater ist ein unglaubliches Museum für Kultur, Handwerk und gesellschaftlichen Rituale sowie Arbeitsweisen, ist es aber sicher der falsche Ort um eine grundlegende Revolution des Theaters anzustacheln.
Ich arbeite sehr gerne mit diesen gewachsenen Strukturen und auch gegen sie. Oder ich verdrehe sie, um so ein neues Theatererlebnis zu erreichen. Den Zuschauer abzuholen, ihn zu vergnügen und dann in seiner Wahrnehmung zu verdrehen - das ist für mich gelungen. Etwas zu verstehen, einfach einer Geschichte zu folgen, finde ich eher nebensächlich. Einfach nur die Revolution anzuzetteln, finde ich dann aber doch etwas fade, bzw dafür sind extrem wenige Menschen wirklich begabt.
Ich wäre sehr daran interessiert, "Regie" zu führen. Ich denke sowieso schon in grossen Teilen des Entwerfens an konkrete Handlungsweisen mit der Bühne.
Ich finde es schade, dass oft etwas verhindert wird, weil das Wort, als das einzig Wahre, stimmig sein muss oder das Konzept etwas nicht zulässt. Konzepte sind zum brechen da und Geschichten sind genau so ein Material wie Holz, Licht und Zeit.
Ich würde gerne Werke erschaffen, welche an das gefährliche Wort „Gesamtkunstwerk“ näher heranreichen....