Florentine Krafft
MA Theater, Schauspiel
Zur Zeit probe ich mit dem israelischen Regisseur Avishai Milstein für ein deutsch-israelisches Dokumentarstück. Eine Koproduktion des Staatstheaters Karlsruhe mit dem Beit Leissin Theater in TelAviv. Wir spielen die Szenen auf Englisch, Deutsch und Hebräisch. Ausgangspunkt ist das 50jährige Jubiläum deutsch-israelischer Beziehungen. Wir werden das Stück sowohl in Israel als auch in Karlsruhe proben und aufführen.
Parallel steht eine Rollenübernahme für Schillers „Kabale und Liebe“ an. Ich spiele Luise und lerne dafür grade den Text und Akkordeon spielen.
Ein drittes, wichtiges Projekt heißt „Das wird man jawohl noch sagen dürfen“, eine politische Late-Night-Show, die seit Anfang des Jahres von einigen Schauspielern aus dem Ensemble zweiwöchentlich organisiert wird. Das nächste Thema ist: „Widerstand“. 20 Minuten Performance, 20 MinutenGespräch mit einem Experten, offene Diskussion.
Für mich hat Qualität sehr viel damit zu tun, wieviel Hingabe, Gedanken, Mut und Kreativität der einzelne Schauspieler und das ganze Team in eine Produktion investieren können oder wollen. Ich finde es wichtig, mich intensiv mit dem jeweiligen Stoff, seiner Sprache und der Aktualität der Themen auseinanderzusetzen, in der Tiefe zu forschen, Varianten auszuprobieren und Umwege zu gehen. Ein konstruktives, gemeinschaftliches Miteinander im Probenprozess ist entscheident dafür, ob und wie jeder Einzelne das Gesamte mittragen kann. Ein angstfreier Raum ermöglicht es mir, mich mit allen meinen Kräften einzubringen. Eine solche Freiheit zu schaffen, empfinde ich als enorme Qualität.
Schauspielerin
Am meisten gelernt haben mein Körper und meine Intuition. Dazu haben vor allem der Bewegungsunterricht und das Improvisieren beigetragen.
Die Lektion, was „gemeinsam“ bedeuten kann.
Fallen. Aufstehen. Purzelbaum.
Im Entkrampfen. Im Entspannen. Vor allem von meinen erfahrenen Kollegen. Die wissen auf der ersten Probe auch noch nicht, wie sie die Figur spielen werden. Aber das muss man ja auch am Anfang der Proben noch gar nicht?! Welch´ Erkenntnis!
Ich bin momentan absolut begeistert vom Zentrum für politische Schönheit in Berlin.
Die Tanztheatergruppe Peeping Tom.
Die Schriftstellerin Therèzia Mora.
Als Spielerin hoffe ich auf eine weiter wachsende Souveränität und Vielseitigkeit auf der Bühne.
Neben meiner Arbeit am Stadttheater möchte ich mich in nächster Zeit weiterhin und vermehrt mit den Möglichkeiten künstlerischen Protests im öffentlichen Raum auseinandersetzen. Im Zuge der wöchentlich stattfindenden Märsche der Karlsruher „Kargida“ (Ableger der „Pegida“: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes), bemüht sich ein Teil des Schauspielensembles, als kunstaktivistisches Kollektiv, der rechten Hetze einen möglichst kreativen und medienwirksamen Protest entgegenzusetzen. Diese Arbeit finde ich wichtig, lehrreich und ausbaufähig.
Ich habe wahnsinnig Lust auf Film. Ich suche nach einer Möglichkeit, mich dort weiter auszuprobieren.
Ich möchte mehr schreiben und tanzen.