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Elina Wunderle

MA Theaterpädagogik

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Vor zwei Wochen hatten wir Premiere mit dem Jahresprojekt ELTERNHAUS des LAB Junges Theater Zürich. Ich habe dafür zehn Monate mit zwölf Jugendlichen und einem künstlerischen Team zum Thema Familie gearbeitet. Ich bin seit der Gründung vor drei Jahren Teil des Leitungsteams des LAB und werde auch weiterhin in dieser Position bleiben. Es ist uns ein Anliegen, in Zürich wieder eine Plattform zu schaffen, die Jugendlichen ermöglicht, Teil eines professionellen Theaterprojekts zu sein. Mein nächstes Projekt im Rahmen des LAB ist ein Beitrag mit Jugendlichen für die Künstlerbegegnung der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK) im September. Die letzten Tage war ich mit meinem Performance-Kollektiv «helium x» in Berlin im Theater Discounter für ein Gastspiel unseres aktuellen Projekts DIE GROSSE KRISE. Dies ist die zweite Arbeit in dieser Konstellation nach DIE GROSSE SCHLACHT im Fussballstadion beim Treibstoff-Festival 2015.
Heute arbeite ich an der Vorbereitung eines Auftrittskompetenz-Workshops, den ich morgen an der Berufsschule in Langenthal durchführen werde.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Für mich ist es wichtig, dass eine Theaterpädagogin einerseits ein echtes Interesse für ihre Spieler_innen und deren Lebensrealität hat und andererseits eine künstlerische Suche zum jeweiligen Thema verfolgt. In den Projekten bleiben so eigene Vorstellungen der Beteiligten in Bewegung und Unerwartetes kann entstehen.
Eine Gruppe leiten, spüren, welche Vorgaben, Aussagen und Übungen wann sinnvoll sind und dabei genug kreativen Raum offen halten, das ist für mich Qualität.
Auf der Bühne interessieren mich vieldeutige und atmosphärische Momente. Eine grosse Qualität des Theaters besteht für mich darin, dass es durch die Gleichzeitigkeit von Bild, Inhalt, Körperlichkeit und Stimmung möglich macht, sich mit grossen gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen ohne Antworten oder Vereinfachungen liefern zu müssen.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Theaterpädagogin

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Im Allgemeinen zehre ich von einem gelernten Durchhaltevermögen und der Erfahrung, dass am Ende eines Prozesses meist etwas «Zeigbares» entsteht, auch wenn ich immer wieder zweifle. Von einem in Improvisationsunterrichten gelernten unzensierten Spielmodus profitiere ich fürs Proben.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Im Bereich der Projektleitung und der kulturpolitischen Dimension der Arbeit und auch im Umgang mit dem Selbstbild und dem Auftreten als Theaterschaffende im beruflichen Kontext habe ich viel dazugelernt.
Seit meinem Abschluss arbeite ich in unterschiedlichen Teams und Konstellationen und befinde mich dadurch in einem kontinuierlichen Lernprozess bezüglich Arbeitsweisen, kollektiver Kreativität, Aufteilung von Verantwortung und Umgang mit Konflikten.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Ich schätze Eigenschaften von Personen oder bin begeistert von bestimmten Kunstwerken. Von Persönlichkeiten bin ich eher selten fasziniert.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Ich wünsche mir weiterhin als Performerin in eigenen Projekten auf der Bühne zu stehen. Die Arbeit mit Jugendlichen möchte ich weiterverfolgen, gerne auch mit noch breiter durchmischten Gruppen. Die nahe Zusammenarbeit mit einer anderen Disziplin würde mich interessieren. Gerne würde ich ein persönliches künstlerisches Interesse als Experiment verfolgen, ohne Produktionsdruck. Ich möchte mal wieder einfach zuschauen, wie Andere arbeiten. Und ich würde gerne nochmals ein Theaterstück für Kinder entwickeln. Also vieles. Was zuerst kommt, weiss ich noch nicht.