Dominik Wolfinger
BA Theater, Dramaturgie
Normalerweise antworte ich mit: „An zu vielen“. Und dann zähle ich alle auf. Und dann fragen die Leute meistens: „Wann schläfst du?“ Anfang dieses Sommers konnte ich einige grössere Projekte abschliessen (z.B. Expedition Hollywood Classics). Nun liebäugle ich mit den Verlockungen, die seit Langem in der Schublade liegen. Beispielsweise möchte ich einen Langspielfilm schreiben.
Ich würde Qualität mit Professionalität gleichsetzten. Meine Arbeit ist stets prozesshaft – der Prozess an sich ist mir genau so wichtig, wie das Produkt. Da das Produkt eine hohe Qualität besitzen soll, braucht es einen funktionierenden Prozess und damit dieser gedeiht, ist eine gewisse Professionalität nötig... Ui, diese Antwort ist extrem bieder ausgefallen. Sagen wir, Qualität in meiner Disziplin bedeutet: Es hält, auch wenn man draufsteht.
Ich wurde mal in der Langstrasse ausgeraubt. Schlussendlich verbrachte ich die angebrochene Nacht damit, einem Kommissar detailliert meine Geschichte zu erzählen: Tiefschwarze Nacht, kurz vor Zwölf, meine rechte Hand umfasst ein Löwenbräu-Dosenbier, die linke hält eine Zigarette – runtergebrannt bis zum Filter, dann, wie aus dem Nichts, kam dieser Typ... Darauf fragte der Kommissar nach meinen Beruf. Ich gab Drehbuchautor zur Antwort. Er lachte.
Im Dramaturgiestudium (Fachrichtung Theater) durfte ich als externer, nervöser Zwirbel bei den Filmstudent*innen die Vertiefung Drehbuch-Dramaturgie besuchen. Während meinem ersten Lektorat erkannte ich, dass ich mit meiner tiefen Liebe zu Geschichten am liebsten Autor*innen auf ihrem Weg zur persönlichen Erzählung unterstütze.
Achtung, jetzt wird’s pathetisch – im Erwachsenwerden. Also es ist nicht so, dass ich im Handwerklichen und Technischen nichts gelernt habe, doch am meisten brachte mir die zweite Pubertät, die ich im Theaterstudium durchleben musste. Ich lernte zu handeln, zu rebellieren, Haltung zu beziehen, zu denken, mutig zu sein und Kreativität auszuleben.
Da greife ich zurück auf meine erste Ausbildung; ich habe eine Lehre als Chemielaborant absolviert – Fachbereich Analyse. Das naturwissenschaftliche Denken, das mir dort vermittelt wurde, ist nach wie vor für meine Arbeit grundlegend. Ich liebe es „Stoffe“, egal welcher Art, zu verstehen und sie analytisch zu sezieren.
Aber nun zum Name-Dropping: Chris Hadfield, wegen seinen wunderbaren Videos über das Astronautensein; Richard Dawkins, wegen seinen populärwissenschaftlichen Werken und seiner Religionskritik; Marie Curie, eine Naturwissenschaftlerin, die nicht aus den Geschichtsbüchern gestrichen wurde; Isaac Asimov, wegen seiner Science-Fiction Literatur; etc.
Mir fiel letztens auf, dass ich mit meinen drei Standbeinen (Dramaturgie, Publizistik und Drehbuchschreiben) so dastehe, wie ich es mir vor Jahren gewünscht hatte. Ich möchte mich einfach in diesen drei Richtungen weiterentwickeln, indem ich neue Projekte angehe und experimentiere. Vielleicht lerne ich aber auch mal kochen.