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Dominik Blumer

MA Composition & Theorie

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Ich bin soeben mit der Komposition und Produktion der Filmmusik für den Episodenfilm „Heimatland“ in die Zielgerade eingelaufen. Die Postproduction läuft auf Hochtouren. Danach geht’s schon bald los mit Kompositionen für „Der gestiefelte Kater“ im Theater Basel. Ende September beginnen die Proben. Die Inszenierungsidee ist, als Zweimann-Band auf und neben der Bühne rumzuwuseln. Im Sommer habe ich dann noch Zeit, meine eigenen musikalischen Projekte voranzubringen. Da wären die Band „Kitchen“, mein elektronischer Liveact „Küchenjunge“ und das Alleinunterhalter-Alter Ego „Magic Olav“.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Qualität ist eine Zusammensetzung diverser Tugenden.
In der Liveperformance, sei es als Schauspieler oder als Musiker, ist es diese magische Mischung aus Entspanntheit und höchster Aufmerksamkeit, die das Ganze zum Leuchten bringen kann. Ohne etwas Fleiss hat man aber kaum die Mittel, um daraus etwas zu machen.
Im Filmmusikstudio oder bei Theaterproben sind es die Genauigkeit und Konsequenz im Verfolgen einer Ästhetik oder konzeptuellen Idee. Die Fähigkeit, sich gedanklich auf konzeptioneller Ebene mit den anderen beteiligten Disziplinen wie Bühne, Kostüm, Licht, Dramaturgie, Regie, etc. zu vernetzen. Der Wille, eine Text- oder Filmvorlage genau zu analysieren und musikalisch darauf zu reagieren.
In der Zusammenarbeit empfinde ich eine respektvolle Grundhaltung dem anderen und seiner Disziplin gegenüber als Qualität, die sich definitiv auch im Resultat niederschlägt.
Eine grosse Qualität ist es auch, im eigenen Leben den Bezug zu den aktuellen Themen in der künstlerischen Arbeit zu finden. Dies „erdet“ gewissermassen das eigene Schaffen und verhilft einem zu mehr persönlichem Ausdruck.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Musiker und Schauspieler. Oder Schauspieler und Musiker. Oder Theater- und Filmschaffender. Gibt’s nicht, den einen Beruf...

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Da gibt’s doch so das eine oder andere! Stark beeinflusst hat mich der Dramaturgieunterricht mit dem Credo, eine Vorlage, sei es ein Text oder ein Film, genau zu analysieren bis in vermeintlich banalste Details. Eine erste Lektion darin habe ich am Schauspielschultreffen in München, im Rahmen des Schauspielstudiums in Bern, mitbekommen. Da ging es in einem Vortrag eines erfahrenen Schauspieldozenten darum, eine Figur, die man verkörpern möchte, auf sich zukommen zu lassen. Es war ein Appell an junge Schauspieler, nicht vorschnell die eigenen Vorstellungen über eine Figur darüberzustülpen, sondern sich mit diesem anderen Wesen irgendwo in der Mitte zu treffen.
Auf das Masterstudium in Zürich bezogen, waren die Arbeitsweisen und künstlerischen Ansätze der verschiedenen Kompositionsdozenten sehr wichtig. Und natürlich die Vielzahl an Musik, mit der ich in dieser Zeit neu in Kontakt gekommen bin.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Ist noch nicht so lange her. Vielleicht in der Fähigkeit, Kritik entgegenzunehmen. In diesem Bereich ist sicher auch noch Luft nach oben. Ich bin der Überzeugung, dass pure Eitelkeit in künstlerischen Prozessen nichts zu suchen hat. Man sollte in dieser Hinsicht aber realistisch bleiben und sich selbst nicht zu viel auf einmal abverlangen.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Aldous Huxley. Gerhart Richter. Max Ernst. Loriot. William Blake. Hagen Rether. Federico Fellini.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Da handelt es sich um verschiedene Stränge, die ich weiterverfolgen möchte. Siehe oben bei der Frage nach der Qualität.

In erster Linie wünsche ich mir, weiterhin mit ambitionierten Leuten an theatralen und filmischen sowie rein musikalischen Projekten arbeiten zu können. Es gibt unheimlich viel zu lernen in der Zusammenarbeit mit Künstlern aus anderen Bereichen.

Dann möchte ich die Vernetzung mit anderen Komponisten und Musikern vorantreiben. Auch da liegt viel qualitatives Potenzial, ich glaube nicht so sehr an die Zukunft des Einzelkämpfertums.