Devica Plüss
BA Ästhetische Bildung und Soziokultur
Ich arbeite an mehreren kleineren Projekten für soziale Institutionen und für mein eigenes Label. Aktuell beschäftige ich mich gerade mit der Dekoration für einen öffentlichen Anlass. Dabei koordiniere ich die verschiedenen Bereiche und bin verantwortlich dafür, dass am Ende ein stimmiges Gesamtbild entsteht. Für diesen Anlass habe ich auch wieder ein Produkt entwickelt, das von Menschen mit Behinderung in Handarbeit hergestellt wird. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass die HerstellerInnen Sinn und Freude in der Arbeit finden. Daher habe ich schon während der Produktentwicklung MitarbeiterInnen mit Behinderung einbezogen, um abzuklären, ob die Arbeit für diese Zielgruppe geeignet ist. Nun freue ich mich ausserordentlich, dass die Arbeit bei den MitarbeiterInnen Anklang findet und erst recht auf die stolzen Gesichter, wenn sie ihre Produkte am Anlass „in Aktion“ sehen werden.
Für mein eigenes Label erweitere ich gerade das Produktsortiment. Noch druckfrisch sind die neuen Tischsets und Geschenkpapierbögen. Weiter sind bedruckte Kinderhalstücher und kleine Reissverschlusstaschen entstanden. Allen diesen Produkten ist gemeinsam, dass sie mehr oder weniger versteckte Wort-Botschaften enthalten. Ich bin in Kontakt mit verschiedenen Läden, die bereits Produkte von mir anbieten, bin aber auch immer auf der Suche nach weiteren Verkaufsstellen.
Ich arbeite mit Menschen mit besonderen Bedürfnissen (z.B. sozial, psychisch, physisch oder geistig beeinträchtigte Menschen). Als Designerin und agogische Begleiterin liegt mir die Entwicklung von Produkten am Herzen, die von beeinträchtigten Menschen im Low-Tech-Verfahren mit geringer Infrastruktur hergestellt werden können, ohne Kompromisse auf ästhetischer und funktionaler Ebene einzugehen. Ich bin der Überzeugung, dass Menschen durch Handarbeit für ein kreatives Produkt neuen Mut und Selbstvertrauen gewinnen können. Ich habe erlebt, dass in Beschäftigungsprogrammen vor allem Arbeiten angeboten werden, die das Trennen, Zerlegen und Rezyklieren in den Vordergrund stellen. Mir ist es aus humanistischer Sicht jedoch auch wichtig, Angebote für die Herstellung neuer Produkte bereitstellen zu können, und eher Upcycling statt Recycling zu betreiben.
Atelierfachperson, Designerin, Kindergartenlehrperson. Je nach dem.
Am meisten profitiere ich von der Breite der gemachten Erfahrungen während des Studiums. Bei meinen Projekten im Studium hatte ich die Möglichkeit, Gebrauch vom Textilatelier über das Fotostudio bis zur Holz-, Keramik- und Metallwerkstatt zu machen und Erfahrungen zu sammeln. Da auch in meinen aktuellen Projekten immer wieder neue Aspekte auftauchen wo ich noch wenig Erfahrung habe, kommt es mir zugute, dass ich gelernt habe, mich ständig auf neue Bereiche einzulassen.
Ich will mich da nicht auf einen bestimmten Bereich festlegen, da ich Lernen als einen ständigen Prozess und als Entwicklung verstehe, bei der die Bereiche ein Ganzes bilden wie die Steinchen bei einem Mosaik. So bewege ich mich in den Bereichen Produktentwicklung, Textildesign, Nähen, Siebdrucken, grafische Arbeiten, (Päd)agogik und Projektleitung. Insgesamt habe ich sicherlich an Vertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen und bin mutiger geworden.
Mich faszinieren viele Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Sparten, z.B. Menachem und Veronika Basman, Ida Gut, Erwin Wurm, Raymond Loewy, Louis Sullivan, aber auch das Komikerduo Divertimento, John Cleese, Pink und Roger Federer.
Und meine MitarbeiterInnen mit Behinderungen, sie sind schlicht und einfach grossartig: geduldig, stark, mutig.
Ich verstehe mich als „heilpädagogische Designerin“ und möchte auch in Zukunft weiterhin mit dieser Haltung arbeiten. Einerseits verfolge ich Projekte für mein eigenes Label, wo ich experimentiere und mich gestalterisch, handwerklich und unternehmerisch weiterentwickle. Auf der anderen Seite engagiere ich mich in sozialen Institutionen mit agogischem Schwerpunkt, für die ich Produkte entwickle. Die Erfahrungen aus beiden Bereichen wirken sich positiv aufeinander aus. In Zukunft möchte ich die Produktentwicklung im Rahmen sozialer Institutionen intensivieren und weitere gestalterische und koordinative Verantwortung übernehmen.
