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Chouchane Siranossian

MA Musik, Klassik

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Zurzeit sind mehrere Projekte in Planung:

Das «Mendelssohn-Violinkonzert» habe ich kürzlich mit Anima Eterna Brugge auf historischen Instrumenten live aufgenommen. Ich habe nach Original-Tempi, Fingersätzen, Bogenstrichen und Spieltechniken von Ferdinand David und Joseph Joachim geforscht. Klingt sehr spannend! Auch das Mendelssohn-Oktett werden wir im November dieses Jahres live aufnehmen, und für beide Werke haben wir jeweils die eher unbekannte erste Fassung gewählt.

Das «Beethoven-Violinkonzert» werde ich in absehbarer Zeit auch mit Anima Eterna Brugge unter Jos van Immerseel auf historischen Instrumenten live aufnehmen.

Die «Tartini-Violinkonzerte» werde ich Anfang 2018 mit Andrea Marcon aufnehmen. Demnächst steht eine Reise nach Padua an, um Tartinis Manuskripte von Konzerten zu sehen, die noch nicht aufgenommen wurden. Seine Kunst der Verzierung ist faszinierend!

Vivaldis «Vier Jahreszeiten» werde ich mit meinem neugegründeten, historisch informierten Ensemble «Les Racines du Temps» aufnehmen. In der Aufnahme wird es einige Überraschungen geben!

Das «Ensemble Esperanza» nimmt im Oktober unter meiner Leitung die zweite CD mit Werken aus dem Süden auf.

Monteverdis «Marienvepser» werde ich im Dezember mit Thomas Hengelbrock aufnehmen.

Und vor allem: Immer weiterlernen und suchen!

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Den Komponisten Respekt entgegenzubringen, sich so viel wie möglich zu informieren, keine pauschalen Informationen zu benutzen, sondern alles in Frage zu stellen, dann auf der Bühne eine Geschichte zu erzählen und das Publikum zu verzaubern.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Musikerin

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Die ZhdK hat mir von Anfang an die Möglichkeit gegeben, mich auf mehreren Gebieten als nur dem Geigenspiel weiterzuentwickeln. Zum Beispiel habe ich zahlreiche Projekte als Konzertmeisterin wahrnehmen und dank dieser Erfahrung direkt im professionellen Leben Fuss fassen können. „Learning by doing“ ist der einzige Weg, in diesem Bereich Erfahrung zu sammeln!

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Sicherlich in der Alten Musik und historischen Aufführungspraxis. 2009 habe ich meine Art und Weise, mit der Musik umzugehen, grundsätzlich geändert und alles in Frage gestellt. Zum Glück hatte ich an der ZhdK eine sehr gute Ausbildung genossen, was es mir ermöglichte, mich selbstständig weiterzuentwickeln. Ich habe angefangen, in Büchern und historischen Quellen selbst nach Antworten zu suchen.
Auch durch meine Erfahrung als Ensembleleiterin habe ich sehr viel dazugelernt; in der Zusammenarbeit mit grossen Dirigenten wie auch als Konzertmeisterin. Als Ensembleleiter muss man spielen, jede einzelne Stimme hören und analysieren, eine klare Vorstellung vom Stück haben, Probleme identifizieren und Lösungen dazu finden. Und das alles zur gleichen Zeit. Das ist schon eine große Herausforderung, aber auch ein unglaubliches Erlebnis!

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Nikolaus Harnoncourt, Reinhold Messner, Ueli Steck, Dream Theater, Voltaire, Hana Blažíková, Hiromi, Anthony Hopkins, Maurice Baquet, J. R. R. Tolkien, Martin Fourcade etc.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Was ich im Bereich der Alten Musik gelernt habe, möchte ich auch im späteren Repertoire nutzen. Durch Aufnahmen gibt es so viele Traditionen, die sich durchgesetzt haben, aber meistens nicht historisch sind. Ich möchte durch historische Quellen die Ursprünge erforschen und dadurch meine eigenen Antworten und meine eigene Interpretation finden. Es gibt so viel wiederzuentdecken, egal ob im Barock oder im späteren Repertoire. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war es ja üblich, auf Darmsaiten zu spielen, und auch die Vielfalt in der Bogentechnik hat sich seitdem eher wieder zurückentwickelt. Genau das möchte ich auch meinen Studenten beibringen, selbst nach Antworten zu suchen und nicht einfach andere Interpretationen zu kopieren.