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Bettina Amacher

MA Musik und Bewegungspädagogik

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

Seit etwa zwei Jahren befasse ich mich mit der interkulturellen Musikpädagogik. Das Thema wurde für mich aktuell aus der eigenen Unterrichtspraxis heraus: Für die Musikalische Grundschule (Einführungskurs in die Musik für Kinder der Unterstufe, integriert in die Volksschule) wählte ich einmal das Thema «Musik aus Afrika». Im Alter von 23 Jahren habe ich für einige Monate in Ghana in einem Waisenheim als Lehr- und Betreuungsperson gearbeitet. Aufgrund dieser persönlichen Erfahrung stellte ich jedoch bald fest, dass ich ein interkulturelles Thema wie dieses nicht wie jedes andere vermitteln kann, da so viele weitere Aspekte mitschwingen. Gleichzeitig fehlte mir eine überzeugende Herangehensweise, und ich entschied mich, dieses Thema weiter zu verfolgen.

Daraus entstanden sind zwei ganz unterschiedliche Projekte. Das eine heisst «Awonye Nakie Ley!», in welchem ich im Rahmen meiner Masterarbeit in der Mastervertiefung Elementare Musikpädagogik eine Unterrichtsreihe und ein Bilderbuch zum Thema «Musik aus Ghana» für die Musikalische Grundschule entwickelt habe. Dieses Projekt stellt insbesondere das in den Fokus, worauf bei interkulturellen Themen, im Speziellen in der Vermittlung, geachtet werden soll.

Des Weiteren war ich während fünf Monaten am Projekt «Crossing Boundaries Musically» beteiligt, welches ein interkulturelles Austauschprojekt für Musik und Pädagogik ist. Projektpartner sind die ZHdK und die Bangalore School of Music in der Stadt Bangalore in Südindien. Der Kern dieses Projekts war die enge Zusammenarbeit mit den lokalen Musiklehrpersonen, das gemeinsame Planen und Durchführen von Unterricht, das Reflektieren und Diskutieren von musikalischen und pädagogischen Inhalten. Hinzu kam meine persönliche Auseinandersetzung mit der lokalen (Musik-)Kultur. Ich habe unter anderem karnatischen Gesangsunterricht besucht und viele Konzerte und Tanzvorstellungen genossen. Einige persönliche Berichte darüber findet man im Blog des Projektes "«Crossing Boundaries Musically»":http://www.crossingboundariesmusically.org/category/journal/. Die vielfältigen Erfahrungen, welche ich in Bangalore habe machen dürfen, erweitern mein Repertoire im Umgang und Verstehen interkultureller Kontexte und fliessen so in mein Handeln ein. Ausserdem laden sie ein, in einem Projekt ähnlich wie «Awonye Nakie Ley!» weiterentwickelt zu werden.

«Awonye Nakie Ley!» ist ein aktuelles Projekt, welches ich weiterentwickeln und die darin enthaltene Auseinandersetzung mit dem inter- und transkulturellen Kontext so aufbereiten möchte, dass es schliesslich auch von Dritten genutzt werden kann. «Awonye Nakie Ley!» steht für eine Form interkultureller Auseinandersetzung. Die darin enthaltenen Gedanken aber verweisen auf generelle Aspekte der Beschäftigung mit dem „Fremden und Eigenen“. Und diese Auseinandersetzung ist - in einem Kontext von Globalisierung und Migration – in meinen Augen hochaktuell.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Diese Frage liesse sich wohl auf ganz viele Arten beantworten. Ich möchte es wie folgt ausdrücken: Als Musik- und Bewegungspädagogin finde ich es wichtig, dass eben beide Bereiche in einer Balance sind: Sowohl der künstlerische, als auch der pädagogische. Dies bedeutet zum einen, dass ich mein künstlerisches Profil pflege. So bin ich zum Beispiel als Musikerin und Schauspielerin sehr aktiv in der Zürcher Improvisationstheater-Szene. Denn wie heisst es so schön: Nur das Feuer, welches in mir selber brennt, kann ich im anderen entfachen. Dies finde ich für meinen Unterricht und für den Umgang mit den Kindern ein zentrales Element.
Die Kinder wachsen inmitten von sich wandelnden soziokulturellen Bedingungen auf. Ich glaube, dass es wichtig ist, als Pädagogin flexibel zu sein und sich stets weiterzubilden – denn die Gesellschaft verändert sich, und die aktuelle anhaltende Migration von Menschen fordert eine Auseinandersetzung mit inter- und transkulturellen Fragen. Je flexibler und offener ich als Lehrperson bin, und je breiter mein Handlungsrepertoire ist, desto mehr kann ich den Kindern im Unterricht ermöglichen, was sie für ihre Entwicklung brauchen und sie da abholen, wo sie stehen.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Ich empfinde sowohl mein Studium als auch mein Arbeitsfeld als so vielfältig, dass ich es eher so ausdrücken möchte: Die Erfahrungen, welche ich in meinem Studium sammeln konnte, ergeben zusammen ein riesiges Mosaik – und je nach Situation, in welcher ich mich bewege, leuchtet jeweils ein bestimmtes Mosaiksteinchen besonders auf. Sei es beim Vorbereiten einer Unterrichtssequenz, wo ich auf meine im Studium erworbene Methodenvielfalt zurückgreifen kann. Sei es beim Komponieren eines Kinderliedes, wobei ich heute anders vorgehe als noch vor fünf Jahren. Oder sei es, wenn ich als Musikerin ein Improvisationstheaterstück begleite, und sowohl die im Studium erlebte Verbindung von Szene und Musik als auch die Ausbildung am Instrument zum Tragen kommen.

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Ich empfinde sowohl mein Studium als auch mein Arbeitsfeld als so vielfältig, dass ich es eher so ausdrücken möchte: Die Erfahrungen, welche ich in meinem Studium sammeln konnte, ergeben zusammen ein riesiges Mosaik – und je nach Situation, in welcher ich mich bewege, leuchtet jeweils ein bestimmtes Mosaiksteinchen besonders auf. Sei es beim Vorbereiten einer Unterrichtssequenz, wo ich auf meine im Studium erworbene Methodenvielfalt zurückgreifen kann. Sei es beim Komponieren eines Kinderliedes, wobei ich heute anders vorgehe als noch vor fünf Jahren. Oder sei es, wenn ich als Musikerin ein Improvisationstheaterstück begleite, und sowohl die im Studium erlebte Verbindung von Szene und Musik als auch die Ausbildung am Instrument zum Tragen kommen.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

Durch das Projekt «Crossing Boundaries Musically» habe ich mich sicherlich im interkulturellen Bereich vertiefen und viele Erfahrungen mit der südindischen Musikkultur sammeln können. Ich würde aber behaupten, dass ich durch den regen Austausch mit den indischen Musikpädagogen gleichviel in der Fachdidaktik habe dazu lernen können: Durch den Einblick in andere Formen des Lehrens und Lernens konnte ich meine persönlichen Herangehensweisen als Lehrperson reflektieren, welche wiederum durch meine eigene kulturelle Prägung beeinflusst sind. Im Umfeld eines anderen kulturellen Kontexts wurde ebendiese kulturelle Prägung für mich sicht- und greifbarer. Und daraus resultiert die Erkenntnis, wie eng Kultur und Bildung miteinander verknüpft sind.
Diese Erfahrung hat mein Verständnis für Bildung dahingehend erweitert, dass Lehrpersonen oder Menschen auf der ganzen Welt zwar ganz verschieden handeln können, aber im Rahmen ihrer persönlichen kulturellen Prägung für sich sinnvoll handeln. Im Sinne einer verantwortungsvollen Vermittlung von Inhalten und Werten existieren also viele verschiedene Wege, welche in den verschiedenen kulturellen Kontexten stattfinden und jeweils in sich stimmig sind.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

Die indische Künstlerin Aparna Rao, von deren Werk ich während meiner Zeit in Bangalore erfahren habe. Mich fasziniert unglaublich, wie sie mit ihren ausgeklügelten Installationen eine Art von Kunst schafft, welche mit einem gewissen Witz für Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zugänglich ist.

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Ich bin eine breit interessierte Person, daher könnte ich mich in viele Richtungen weiterentwickeln, ich bin aber sicher, dass dabei Unterrichtsentwicklung und interkulturelle Musikpädagogik (weiterhin) im Zentrum stehen könnten. Also eine Entwicklung noch mehr in die Tiefe. Aber auch die Verbindung von Szene und Musik im Kontext des Improvisationstheaters interessiert mich sehr. Ich glaube, es ist zwar wichtig, zielorientiert zu sein, aber ebenso, mit einer Offenheit vorwärts zu gehen.