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Andreas Bürgisser

MA Theater, Theaterpädagogik

An welchem Projekt arbeitest du aktuell?

• Neugründung eines Jugendclubs in Wohlen auf Januar 2017. In diesem Club sollen die Teilnehmenden in Wechselwirkung mit einer Bühnenbildnerin die Szenografie des Projektes mitentwickeln.

• Zusammen mit Sabina Reich von Reich und Schön: Entwicklung einer inszenierten Eingangssituation anlässlich eines Stakeholder-Anlasses des Amts für Jugendberatung Zürich Oberland zum Thema Flüchtlinge. Diese Einlasssituation dient als Anregung, Störung und erlebnisbasierte Grundlage/Ergänzung für ein folgendes „Action Cafe“.

• Wiederaufnahme von „Heimaterde“ im Herbst in Wohlen und in Bern. Diese Produktion hatte im Februar 2016 Premiere im Theater Tuchlaube Aarau. Wir von Reich und Schön (http://www.reich-schoen.ch/?page_id=108) erzählen die Auswanderung der Glarner von 1845 nach Wisconson nach und sind verwundert darüber, wie viele Möglichkeiten diese Wirtschaftsflüchtlinge in diesem Moment der Geschichte erhalten haben.

• Entwicklung einer Schulzimmerstück“-Variante von der Produktion „Heimaterde“.

• Zusammenarbeit mit dem Stapferhaus Lenzburg im Rahmen der Ausstellung „Heimat“ vom Frühjahr 2017.

• Jahrespräsentation des Theatre Clubs (7-9 Jahre) der Swiss International School in Wollishofen. Peter Pan trifft die kleinen Forscher, welche über ein Semester die Spezies der Erwachsenen untersucht haben.

• Monatlich stattfindende Diskussionsrunde mit anderen Theaterpädagogen. Momentan beschäftigen wir uns mit einem möglichen Format für eine „Summer School“ für Theaterpädagogen und Interessierte.

Was heisst für dich „Qualität“ in deiner Disziplin?

Wenn Störungen bei den Teilnehmenden und beim Publikum auftauchen. Wenn also gewisse Erwartungen gebrochen werden, gewisse Narrative als Erklärung für die Welt nicht mehr greifen, wenn Lücken stehen bleiben und diese beim Bier nach der Aufführung in Gesprächen zu füllen versucht werden.

Wenn Teilnehmende einer Produktion Bekanntes anders wahrnehmen, neu untersuchen können und sie ein Verständnis dafür haben oder kriegen, wie sie das Erarbeitete auf der Bühne darstellen oder es dargestellt wird.

Wenn ich bei Produktionen andere Sehangebote erhalte, als nur darauf zu achten, ob es jemand richtig oder gut macht. Das kann ich bei Sportveranstaltungen tun.

Wenn Zugänge zum Gesehenen und Erlebten vom Publikum und von den Teilnehmenden gefunden werden.

Wenn Momente aus dem Erarbeitungsprozess in einer Aufführung sichtbar, erahnbar werden.

Wenn der Tatsache, dass interessante Momente im Prozess auf der Bühne nicht wiederholt werden können, Rechnung getragen wird, in dem neue Formen zum Beispiel werden. Wie zum Beispiel bei SheShe Pop und ihrem Stück Testament. Die Performerinnen haben zusammen mit ihren Vätern ein Stück zu Shakespeares „König Lear“ erarbeitet. Während diesem Prozess kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Vätern und Töchtern. Diese wurden folgendermassen in das Stück integriert: Die Väter haben die aufgenommenen Diskussionen über Kopfhörer nachgehört und versucht, diese zeitgleich nachzusprechen.

Wenn sich Teilnehmende und Publikum gebraucht und nicht missbraucht fühlen.

Wenn ich den gewählten Formen und Formaten eine gewisse „Experimentalität“ ansehe, unterstelle. Das heisst, dass diese im Probenprozess entdeckt wurden und sich gegen andere mögliche Formen durchsetzen konnten.

Generell, wenn ich eine Auseinandersetzung, eine Beschäftigung erkennen kann.

Wenn sie zum Diskurs einlädt. Wenn Platz für Kritik und Anregungen in die Produktion mit eingebaut werden. Und dieser Platz so gestaltet ist, dass keine Hierarchie zwischen den Machern und den Zuschauern objektiviert wird. Zum Beispiel wundere ich mich oft über Publikumsgespräche nach Aufführungen, bei denen das Publikum aus dem Zuschauerraum den Machern ihre Fragen raufrufen muss.

Wenn zwischen dem Gezeigten und den Machern/Spielenden eine Reibung entsteht, die für die Zuschauenden als Anregung zum Weiterdenken wahrgenommen wird.

Was schreibst du, wenn du beim Arzt oder im Flugzeug ein Formular ausfüllen musst, unter „Beruf“?

Theaterpädagoge

Von welcher in deinem Studium gelernten Lektion zehrst du bis heute?

Dass ich mir Arbeits- und Projektprozesse/abläufe immer wieder neu erarbeiten, erdenken muss und nicht einfach mit „Blaupause“ arbeiten kann. Oder wenn so, dann aus konzeptionellen Gründen.

In welchem Bereich hast du seit deinem Studienabschluss am meisten dazugelernt?

• Arbeit mit Kindern
• Gleichzeitig verschiedene Projekte in verschiedenen Phasen zu betreuen.
• Mich als Künstler und nicht als Student wahrzunehmen und wahrgenommen zu werden.

Welche Persönlichkeit einer anderen Disziplin fasziniert dich?

-

In welche Richtung möchtest du dich in Zukunft vermehrt entwickeln?

Prozess und Produkt neu und für die Teilnehmenden verständlicher zu verbinden.

Themen, Phänomene die mich anspringen, greifen und reifen zu lassen. Ohne wissen zu müssen, warum mich das Phänomen interessiert, oder ohne es überhaupt genau beschreiben zu können und ohne es zu werten. (So schaue ich mir seit Kurzem etliche Videos von Celine Dion an. Mich fasziniert, dass sie über Liebe singt und dabei eine Körperlichkeit hat, die hart und abweisend wirkt. Dass sie immer perfekt singt. Dass sie Mensch gewordener Pop ist. Ich unterstelle ihr, dass sie keinen Unterschied mehr macht, zwischen der medial geschaffenen Persona Celine Dion und ihr, wenn sie auf dem Klo sitzt. Themen verfolgen, auch wenn sie auf den ersten Blick banal oder peinlich erscheinen.)
Durch die gewonnenen Erfahrung seit dem Studium Lust und Mut in Produktionen einzubringen.