Dafi Kühne
Plakatgestalter & Buchdrucker
Ich bin überzeugt, dass Fach- und stufengerechte Sprache zwar existiert, Komplexität jedoch keine komplizierten Worte verlangt. Von dem her erkläre ich es vermutlich gleich, wie ich es einer erwachsenen Person erklären würde.
Ich bin Plakatgestalter und Buchdrucker. Ich entwerfe überwiegend rein typografische Plakate und setze diese anschliessend eigenständig auf Buchdruckpressen aus den 1960er-Jahren um. Buchdruckpressen arbeiten im Hochdruckprinzip – vergleichbar mit einem Kartoffelstempel. Für jeden Plakatentwurf entsteht daher eine physische Druckform; bei mehrfarbigen Plakaten eine pro Farbe.
Diese Druckformen können aus Bleibuchstaben, Holzlettern, handgeschnittenen, geätzten oder lasergeschnittenen Linolschnitten sowie aus experimentellen Materialien bestehen. Jedes Material besitzt eine eigene Druckqualität und schreibt sich sichtbar ins Ergebnis ein. Je nach Entwurf wähle ich Werkzeuge und Materialien, die dem Inhalt des Plakats entsprechen.
Ein Plakat für ein Punkkonzert soll roh, laut, düster und chaotisch wirken – diese Eigenschaften werden bereits bei der Herstellung der Druckform angelegt und diese wird mit rauen, groben Materialien umgesetzt. Eine Sonntagsmatinee verlangt hingegen eine andere Bildsprache und somit kommen andere Materialien für die Druckformherstellung infrage.
Meine Plakate entstehen teilweise in bis zu 20 Druckdurchgängen und in Auflagen von bis zu 1000 Exemplaren, die von Hand gedruckt werden. Jeder Bogen wird dabei mehrfach durch die Presse geführt und zwischengetrocknet. Das sind ganz viele langsame und arbeitsintensive Prozesse, die zusammen zu einem fertigen Plakat führen.
Mein Atelier auf einer Fabriketage in Näfels umfasst rund 450 m² und beherbergt etwa 40 Tonnen alte Druckpressen, Schriften sowie analoge und digitale Werkzeuge. Ich wohne in Zürich und pendle unter der Woche täglich nach Näfels. Die Werkstatt ist seit 2009 gewachsen und wurde kontinuierlich erweitert.
Einerseits bin ich froh, inzwischen nahezu perfekt für meine Bedürfnisse eingerichtet zu sein: Ich verfüge über genau jene Werkzeuge, die meine Praxis verlangt, und alles ist auf meine Arbeitsabläufe abgestimmt.
Andererseits beneide ich meine Gestaltungskolleg:innen manchmal, wenn sie sich darüber beklagen, bei einem Büroumzug ein schweres Bücherregal oder einen Fotokopierer transportieren zu müssen. Vierzig Tonnen lassen sich halt nicht so leicht bewegen. Entsprechend bin ich stark an diesen Ort gebunden.
Ich dachte eigentlich immer, dass Erfolg – wie auch immer man diesen in einem gestalterischen Beruf definieren mag – auch in irgendeiner Form mit finanziellem Erfolg korreliert. Heute bin ich diesbezüglich etwas desillusioniert und glaube, dass man durchaus erfolgreich in einem gestalterischen Beruf sein kann, während der finanzielle Struggle konstant und real bleibt. Gleichzeitig wirkt genau das zeitweise auch antreibend. Ich möchte mich also nicht beklagen und mache weiter – sowieso.
Foto: © Peter Hauser